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FAQ Spirituelles Heilen

Beate Schmolke-Hasselmann

Beate Schmolke-Hasselmann (Künstlername: Varda Hasselmann; * 19. Juni 1946 in Brake/Unterweser) ist eine EsoterikAutorin und bezeichnet sich als „TranceMedium“. Sie ist Autorin einer „Seelenlehre“.

Leben[Bearbeiten]

Schmolke-Hasselmann wuchs in Norddeutschland auf und lebte ab 1960 in Mailand. Sie studierte in Erlangen, Würzburg und Göttingen und promovierte 1976 über König Artus. Nach zwölfjähriger Tätigkeit als Hochschulassistentin in Göttingen machte sie sich als „Trancemedium“ beruflich selbstständig.

„Seelenlehre“[Bearbeiten]

Ab 1983 entwickelte sie zusammen mit ihrem Ehemann Frank Schmolke eine „Seelenlehre“, die auf Kontakten mit einer „transpersonalen Wesenheit“ namens „Die Quelle“ beruhe. Ihr Ehemann führe sie in eine „Wach-Tieftrance“, in der sie von „Der Quelle“ Antworten auf Fragen über die Seele erhalte. Die „Seelenlehre“ verbreiteten sie in einer Reihe von Büchern und Veranstaltungen, auch über die gemeinsame Firma Septana.

Dieser Lehre zufolge habe jeder Mensch neben seinem Körper einen Geist, eine Psyche und eine Seele. Die Seele sei ewig, in einer Astralwelt beheimatet und Emanation des Göttlichen, aber zugleich auch nur ein vereinzeltes Fragment der großen „Seelenfamilie“. Jede Seele habe ein individuelles „Seelenmuster“, das aus 49 „Archetypen“ zusammengesetzt sei. Sie durchlaufe vor der Reinkarnation zwangsläufig stets denselben „Inkarnationsweg“ aus 5 „Zyklen“ mit je 7 „Erkenntnis-Stufen“.

Wenngleich Schmolke-Hasselmann sich von Esoterik abgrenzen will, finden sich in ihrer „Seelenlehre“ viele Versatzstücke aus diversen spirituellen Strömungen. Das Bild von seelischen Archetypen geht ansatzweise auf das Buch Messages from Michael der amerikanischen Science-Fiction-Autorin Chelsea Quinn Yarbro zurück.

Schriften[Bearbeiten]

Unter dem Namen Beate Schmolke-Hasselmann:

  • Der arthurische Versroman von Chrestien bis Froissart: zur Geschichte e. Gattung (Dissertation) Tübingen 1977, ISBN 3-484-52083-3
  • Chanson de Guillaume (Hrsg. und Übersetzung), München 1983, ISBN 3-7705-2159-5

Unter dem Namen Varda Hasselmann:

Weblinks[Bearbeiten]



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The Secret

Filmdaten
Deutscher Titel The Secret
Originaltitel The Secret
Produktionsland Australien,
USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2006
Länge 90 Minuten
Stab
Regie Drew Heriot
Drehbuch Rhonda Byrne,
Hayley Byrne
Produktion Paul Harrington
Kamera John Hall,
Noel Jones,
Matt Koopmans
Schnitt Daniel Kerr
Damian Corboy

The Secret (dt. Das Geheimnis) ist ein von Rhonda Byrne und Paul Harrington für Prime Time Productions produzierter esoterischer Dokumentarfilm, der in Anlehnung an Positives Denken das „Gesetz der Anziehung“ (engl. law of attraction) erstmals einem größeren Publikum vorstellte. Er gilt als Vorgänger des von Drew Heriot produzierten Films Der Moses Code. Rhonda Byrne veröffentlichte außerdem das gleichnamige Buch „The Secret“ (deutsch: Das Geheimnis, Arkana Verlag), in dem sie die Aussagen des Films erläutert und vertieft.

Handlung[Bearbeiten]

Rhonda Byrne interviewt einige genannte Erfolgs-Coaches, Beziehungs- und Motivationstrainer Amerikas sowie zwei angebliche Quantenphysiker, die sich seit Jahren mit dem so genannten „Geheimnis“ beschäftigen. Diese erläutern in Interviews ihre Sichtweise des „Gesetzes der Anziehung“ und die Aussagen werden durch Filmsequenzen illustriert.

Die Kernaussage des Films ist, dass die Gedanken und Gefühle jedes einzelnen Menschen reale Gegebenheiten anziehen bzw. erzeugen. Nach Aussage der im Film Auftretenden hat dieses „Gesetz der Anziehung“ Auswirkungen auf jeglichen Aspekt unseres Seins, wie Gesundheit, zwischenmenschliche Beziehungen, Geld, Beruf usw. Dies geschehe nicht zufällig, sondern mit der Sicherheit und Genauigkeit eines Naturgesetzes. Es wird ebenfalls erklärt, dass das „Geheimnis“ nur wenigen Menschen bekannt gewesen sei, die kein Interesse daran gehabt hätten, es mit anderen zu teilen. Der Inhalt des Films ergibt eine weitgehende Kongruenz zu den Lehrinhalten der Christlichen Wissenschaft und der Neugeist-Bewegung.

Rhonda Byrne wurde durch das Buch Die Wissenschaft des Reichwerdens (englisch: „The Science of Getting Rich“) von Wallace D. Wattles, das um 1900 verfasst wurde, sowie von „The Master Key System“ von Charles F. Haanel, das um 1912 verfasst wurde, inspiriert.

Die früheren „Lehrer“[Bearbeiten]

Der Film nennt frühere sogenannte „Lehrer“, die vom „Gesetz der Anziehung“ gewusst und dieses auch erfolgreich angewandt haben sollen. Zitate dieser Personen sollen deren Kenntnis über das Gesetz der Anziehung bestätigen. Dazu zählen u. a. bedeutende Künstler und Wissenschaftler der Vergangenheit, beispielsweise Ludwig van Beethoven, Albert Einstein und Hermes Trismegistos.

Die heutigen „Lehrer“[Bearbeiten]

Die heutigen „Lehrer“ sind laut Film Fachleute oder Autoren in den Bereichen der Quantenphysik, Psychologie, Metaphysik, Theologie, Philosophie, Medizin und der Persönlichkeitsentwicklung.

Der Autor Bob Proctor beginnt mit dem „Enthüllen“ des „Geheimnisses“, ihm folgen: John Assaraf, Michael Beckwith, Lee Brower, Jack Canfield, John F. Demartini, Marie Diamond, Mike Dooley, Bob Doyle, Hale Dwoskin, Morris E. Goodman, John Gray, John Hagelin, Bill Harris, Ben Johnson, Loral Langemeier, Lisa Nichols, James Arthur Ray, David Schirmer, Marci Shimoff, Joe Vitale, Frederick E. Dodson, Denis Waitley, Neale Donald Walsch & Fred Alan Wolf. Einige dieser Lehrer sind auch im deutschsprachigen Raum bekannt, wie z. B. der international renommierte Quantenphysiker Fred Alan Wolf, John Gray mit seinem Buch „Männer sind anders. Frauen auch. Männer sind vom Mars, Frauen sind von der Venus“, Neale Donald Walsch mit seiner Buchreihe „Gespräche mit Gott“.

Kritiken[Bearbeiten]

In der IMDb stand der Film am 4. April 2009 bei 5,3 von 10 Punkten (3.343 Stimmen).

  • Wissenschaftlichkeit – soll das oberstes Prinzip der „revolutionären“ Dokumentation sein. Dabei ist die Botschaft nicht mehr als ein von Scharlatanen entwickeltes Konzept, ihre kommerziellen Ziele zu erreichen. – Filmreporter.de[1]
  • Während Winfrey, Kidman und sämtliche US-Zeitungen „The Secret“ vergöttern, schreien Ärzte und Fachleute auf. Auslöser für die teils heftige Kritik war eine junge Frau, die im amerikanischen Fernsehen behauptet hatte, ihren Brustkrebs mit „The Secret“ bekämpft zu haben. „’The Secret’ ist nicht nur falsch. Es ist gefährlich. Menschen könnten sterben, weil sie denken, sie benötigten keine medizinische Hilfe mehr“, so Dr. Med. Richard Wender, Vorstand eines amerikanischen Krebsforschungszentrums, auf ABC.Vanity Fair[2]
  • Schrecklich. Sie macht mich wütend, weil hier mit so viel heilsbringerischem Pathos und hochprofessionellem Marketing Botschaften serviert werden, die so nah an echter Weisheit sind, dass es weh tut, die aber genau genommen falsch sind. So falsch, dass es gefährlich ist, sie anzuwenden. – Spuren[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tzveta Bozadjieva: The Secret – Das Geheimnis. In: Filmreporter.de. Filmreporter.de GbR, abgerufen am 4. April 2009.
  2. Der Glaube an das Geheimnis. In: Vanity Fair.de. CondéNet.de GmbH,, abgerufen am 4. April 2009.
  3. Massenverführung durch »Wünsch-dir-was«-Produkte. In: Spuren – Magazin für neues Bewusstsein. Spuren-Verlag, abgerufen am 4. April 2009.



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San Phra Phum

San Phra Phum (Thai: ศาลพระภูมิ – Aussprache: [sǎːn pʰráʔ pʰuːm] – Schrein der Phum-Geister, auch: ศาลเพี้ยงตา – [sǎːn pʰíːaŋ taː] – Schrein auf Augenhöhe) sind meist kleine, im Einzelfall jedoch auch bis zur Größe eines Einfamilienhauses reichende Geisterhäuschen oder Geisterhäuser (Schreine für Naturgeister) in Thailand. Es handelt sich hierbei um Reste des alten animistischen Glaubens, der heute vom Buddhismus geduldet wird.

Geisterhäuschen werden errichtet, sobald ein Grundstück bebaut wird, um damit die Geister (Phra Phum), die das Gelände bewohnt haben, für den Verlust ihrer Heimat zu beschwichtigen und ihnen auf demselben Grundstück eine Ersatzheimstatt zu geben.

Zusätzlich zu den Geisterhäuschen in Verbindung mit Wohn- oder Geschäftshäusern gibt es auch Schreine an besonders markanten heiligen Orten wie Höhlen, Felsen, außergewöhnlichen Bäumen oder auch auf Stadtmauern. Ebenso werden Geisterhäuschen oft an unfallträchtigen Straßen aufgestellt.

Ein einfacher San Phra Phum im Wat Kham Chanot bei Ban Dung, Provinz Udon Thani

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Geschichte der San Phra Phum gibt es keine verlässliche Quellen in Chroniken oder antiken Steininschriften. Der erste Europäer, der in einem Reisebericht die San Phra Phum erwähnte, war Adolf Bastian, der 1863 Siam besuchte. Allerdings gab es bereits im Königreich Ayutthaya (1351–1782) Miniatur-Tempel oder -Palastgebäude, deren Zweck bisher nicht gesichert ist, in denen aber möglicherweise Opfergaben den verschiedenen Naturgeistern dargeboten werden konnten.[1]

Aufbau[Bearbeiten]

Größe und Gestaltung der San Phra Phum variieren stark in Abhängigkeit vom Standort und der Größe des zugehörigen Gebäudes oder Grundstücks. Geisterhäuschen für Privathäuser sehen oft aus wie miniaturisierte thailändische Tempelgebäude. Sie bestehen aus Holz oder Gips, stehen auf einem Pfahl oder erhöhten Sockel und sind mit menschlichen und tierischen Figuren, Kerzen und Opfergaben bestückt. Die Figuren sollen die Geister bzw. verstorbene Familienmitglieder darstellen oder als Tänzer für die Unterhaltung der Phra Phum sorgen.

Bewohner[Bearbeiten]

Nach dem traditionellen animistischen Glauben wird die thailändische Welt von zahlreichen Phi (Thai: ผี – Geistern, auch: Gespenstern) bewohnt, an die die Mon, Thai, Chinesen und die Bergvölker des Nordens seit Jahrhunderten glauben. Phi sind Teil des täglichen Lebens, sie haben Einfluss auf den Lauf der Welt. Die Phra Phum sind eine Gruppe der Phi. Ihr Name „Phum“ entspricht dem Sanskrit– und Pali-Wort Bhūmi (Erde), „Phra“ bedeutet ehrenwert, ein respektvoller Titel. Sie werden in Thailand auch „Phra Phum Chao Thi“ (Thai: พระภูมิเจ้าที่ – etwa: „Besitzer des Platzes“) genannt, was die Funktion eines Schutzgeistes andeutet.

Genauer betrachtet gibt es insgesamt neun Phra Phum, die allesamt Brüder sein sollen. Ihre Namen scheinen indischen Ursprungs zu sein. Während der normale Landbewohner bestenfalls einen der Phum bei Namen kennt, können nur Spezialisten alle neun benennen.[2] Der bekannteste heißt „Chaiyamonkhon“ (Thai: พระชัยมงคล), er beschützt das Haus. Er ist es, der normalerweise einen San Phra Phum bewohnt.[3]

Einweihung[Bearbeiten]

Generell sollte ein San Phra Phum einen Standort haben, an dem er nicht vom Schatten seines zugehörigen Gebäudes getroffen werden kann. Es muss in einer speziellen Zeremonie eingeweiht werden. Diese Zeremonie wird von einem Mo San (Thai: หมอศาล – wörtl. „Schrein-Arzt“) genannten Brahmanen oder Hindu-Priester durchgeführt, meist einem kundigen Astrologen. Der Standort sowie das glückverheißende Einweihungsdatum werden von ihm bestimmt. Er benutzt dazu Astrologie sowie verschiedene Rituale mit animistischem oder hinduistischem Hintergrund. Mit dieser Zeremonie wird der Geist (oder die Geister) eingeladen, sein neues Heim zu beziehen. Der Schrein selbst wird mit kleinen Figuren geschmückt, die nach festgelegter Reihenfolge und Platzierung aufgestellt werden. Bunte Bänder und Lotuskränze schmücken das Häuschen ebenfalls.

Nutzung[Bearbeiten]

Um sicherzustellen, dass der Geist seinen Schrein nicht alsbald wieder verlässt, muss dieser attraktiver gestaltet sein, als das Hauptgebäude. Dazu werden in oder vor dem Geisterhaus im Allgemeinen regelmäßig Opfergaben deponiert. Die Bewohner des Geisterhäuschens erhalten so häufig Wasser oder Erfrischungsgetränke, zu besonderen Anlässen auch Alkohol, wie zum Beispiel Reiswein, und spätestens alle zwei Wochen werden den Geistern Obst, Reis, Süßigkeiten oder ähnliche Gaben gereicht. Man kann die Geister auch anrufen, um sie für die Erfüllung eines Ereignisses zu bitten. Dies geschieht durch Anbeten und Beschwichtigen. Dabei sind unmittelbar zuvor irreguläre Gaben zu entrichten.

Verschiedene Geisterhäuschen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • B.J. Terwiel: Monks And Magic. Curzon Press, 2nd ed. London 1979, ISBN 0-7007-0126-5
  • Ruethai Chaichongrak u.a.: The Thai House – History and Evolution. River Books, Bangkok 2002, ISBN 974-8225-05-4
  • Peter A. Reichart, Pathawee Khongkhuntian: The Spirit Houses of Thailand. White Lotus Press, Bangkok 2007, ISBN 978-974-480-103-6
  • Phya Anuman Rajadhon: Chao Thi & Some Traditions of Thai. The National Culture Institute, Bangkok 2499 (1956), (Thai culture series No. 6)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reichart: Spirit Houses, S. 16
  2. Terwiel: Monks And Magic, S. 174
  3. Baanmaithong – Haus aus goldenem Holz: Hersteller von Geisterhäuschen (Englisch und Thai)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geisterhäuser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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Sanjeevini

Sanathana Sai Sanjeevini ist eine wissenschaftlich noch nicht überprüfte esoterische Heilslehre aus Indien. Ähnlich der Homöopathie soll durch Gebet die Information des Medikaments, hier die Heilschwingung, auf den Organismus übertragen werden. Sie wurde 1994 von der Inderin Poonam Nagpal, die Wirtschaftswissenschaften studiert hat entwickelt. Sanathana ist ein Sanskritwort und bedeutet zeitlos. Gemeint ist damit die körpereigene Energie, die in jedem von uns schlummern soll. Sanjeeveni ist die Bedeutung der ewigen Gesundheit auf der physischen Ebene. Sanjeevinis, werden verstanden als feinstoffliche Schwingungen mikro- und makrokosmischer Heilkräfte, welche durch Gebete eingefangen werden. Sanathana Sai Sanjeevini sind Gebete- nicht mehr und nicht weniger.

Weblinks[Bearbeiten]

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Armin Risi

Armin Risi (* 1962 in Luzern) ist ein Schweizer Dichter, VedaPhilosoph, Sachbuchautor und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Leben[Bearbeiten]

Risi besuchte das Lateinische Gymnasium in Luzern. Zwischen 1978 und 1980 entstanden Risis erste literarische Arbeiten: Gedichte und Theaterstücke. Im Alter von 18 Jahren gehörte er zu den führenden Schach-Junioren der Schweiz. In den Jahren 1980/1981 unternahm er verschiedene Reisen und Naturaufenthalte. 1981 verließ er das Gymnasium kurz vor der Matura. Von Anfang 1981 bis Ende 1998 lebte er 18 Jahre in vedischen Krishna-Klöstern in Europa und Indien, wo er die indischen und westlichen Philosophien studierte. Er arbeitete bei der Übersetzung von zwanzig Werken der Sanskritliteratur (aus dem Englischen ins Deutsche) mit.[1]

1988 erschien seine erste eigenständige Veröffentlichung, die Broschüre Vegetarisch leben – Die Notwendigkeit fleischloser Ernährung. 1992 folgte die erste eigene Buchveröffentlichung. Ab 1995 veröffentlichte er zahlreiche Artikel in grenzwissenschaftlichen und esoterischen Zeitschriften und hielt Vorträge.

2005 unternahm er eine Studienreise nach Ägypten. Auf dieser Reise erhielt er Zugang zu der von ihm sogenannten „Osiris-Krypta“ von Gizeh und der „Monolith-Krypta“ von Sakkara. Risi veröffentlichte 2005 gemeinsam mit Rico Paganini das Buch Die Giza Mauer. Das Buch wurde, soweit es im wissenschaftlichen Diskurs überhaupt wahrgenommen wurde, als „ein Sammelsurium an Spekulationen und unbegründeten Behauptungen über angebliche Rätsel im alten Ägypten“ gewertet.[2] Risi reagierte daraufhin ebenfalls mit einer Stellungnahme, indem er sein Buch zunächst gegen Kritik in Schutz nahm.[3] Später distanzierte er sich allerdings teilweise von den Erkenntnissen seines Co-Autoren Rico Paganini.[4]

Risi kritisiert das Weltbild des Darwinismus und stellt dem seine eigene Theorie der „Involution“ entgegen. Schwerpunkte seiner Veröffentlichungen und Vorträge sind Esoterik, Spiritualismus, Verschwörungstheorien[5], Ufos und Mythologie. Zahlreiche Vorträge von Risi können bei YouTube abgerufen werden. Risi gilt als Anhänger des Geistheilers Bruno Gröning, mit dessen Wirken er sich auch in Vorträgen und Publikationen auseinandersetzte.[6]

Armin Risi lebt seit 1998 als freischaffender Schriftsteller und Referent. 2006 gründete er das sog. „Institut für die Wissenschaft der Involution“ als Internet-Plattform.

Werke[Bearbeiten]

Autor
  • Vegetarisch leben – Die Notwendigkeit fleischloser Ernährung. Broschüre, Govinda-Verlag 1988, 5. Auflage 1999
  • Völkerwanderung – Epische Galerie. Govinda-Verlag 1992
  • Der Kampf mit dem Wertlosen – Lyrische Meditationen. Govinda-Verlag 1992
  • Da ich ein Dichter war – Reinkarnation: Gedanken, Gedichte und eine Begegnung mit Hölderlin. Govinda-Verlag 1995
  • Der multidimensionale Kosmos, Band 1: Gott und die Götter. Govinda-Verlag 1995
  • Der multidimensionale Kosmos, Band 2: Unsichtbare Welten. Govinda-Verlag 1998
  • Der multidimensionale Kosmos, Band 3: Machtwechsel auf der Erde. Govinda-Verlag 1999
  • TranscEnding the Global Power Game – Hidden Agendas, Divine Intervention and the New Earth. Govinda Press 2004 (Zusammenfassung und Erweiterung von ‚Machtwechsel auf der Erde‘ in englischer Sprache)
  • Licht wirft keinen Schatten – Ein spirituell-philosophisches Handbuch. Govinda-Verlag 2004
  • Der radikale Mittelweg – Überwindung von Atheismus und Monotheismus. Kopp-Verlag 2009
  • Ganzheitliche Spiritualität . Govinda-Verlag 2011
  • Einheit im Licht der Ganzheit . Govinda-Verlag 2011
Mitautor
  • Die Kanada-Auswanderung – Zeitreise ins Kali-yuga. Roman von Werner E. Risi, Govinda-Verlag 1996
  • Mutter Erde wehrt sich – Über die Heilung des Planeten und die Aufgabe der Sterngeborenen. mediale Texte von Tom H. Smith und Savitri Braeucker, Übersetzung der Texte von Tom H. Smith und ausführliche Einleitung von Armin Risi, Govinda-Verlag 1997
  • Das kosmische Erbe – Einweihung in die Geheimnisse unserer Her- und Zukunft. mediale Texte von Tom H. Smith, übersetzt und erläutert von Armin Risi, Govinda-Verlag 2001
  • DIE GIZA-MAUER und der Kampf um das Vermächtnis der alten Hochkulturen – Geheime Forschungen im Pyramiden-Gelände. Von Armin Risi und Rico Paganini, Govinda-Verlag 2005
  • Vegetarisch leben – Vorteile einer fleischlosen Ernährung. Armin Risi und Ronald Zürrer, 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Govinda-Verlag 2006

Referent auf Kongressen[Bearbeiten]

  • Dialog mit dem Universum, Düsseldorf 1995 und 1999
  • UFO-Kongress, Zürich 1996, 1997 und 1998
  • 1. Weltkongress Verbotene Archäologie, Berlin 1998
  • Lebenskraft – Kongress für Bewusstsein, Gesundheit und Lebenshilfe, Zürich 2003, 2004 und 2005
  • Kongress für Grenzwissenschaften, Regen 2004
  • Die Macht hinter der Macht, Stuttgart 2005, Forum Kontrovers
  • Die Wissenschaft der Involution – Menschheitsgeschichte jenseits von Darwinismus und Kreationismus, Stuttgart 2006, Neue-Impulse-Treff

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armin Risi Vita auf der Homepage des Mosquito Verlages
  2. Die Giza-Mauer Rezension von Klaus Richter bei Buchkritik.at
  3. Die Giza Mauer-eine neue Verschwörungstheorie Dokumentation auf der privaten Homepage von Klaus Richter
  4. Die Giza-Mauer: Der aktuelle Stand Artikel von Armin Risi Januar/April 2007, Homepage von Armin Risi
  5. [Warnungen, Prophezeiungen, deutliche Zeichen] Kurzkritik und Leseprobe Machtwechsel auf der Erde
  6. Das Wirken des göttlichen Heilstroms Artikel von Armin Risi in: Raum & Zeit, Juli/August 2009



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Jeanne de Salzmann

Jeanne Matignon de Salzmann, geb. Allemand, (* 1889 in Reims; † 25. Mai 1990 in Paris) war eine französischschweizerische Ballett-Lehrerin und eine Schülerin des griechisch-armenischen Esoterikers Georges I. Gurdjieff.

Leben[Bearbeiten]

Jeanne de Salzmann − der französischen Familie Allemand entstammend − wuchs in Genf auf und studierte zunächst Piano, Komposition und Dirigieren am Genfer Konservatorium. Nach einem weiteren Studium bei Emile Jaques-Dalcroze lehrte sie Tanz und rhythmisch-musikalische Erziehung.

1912 lernte sie am Festspielhaus Hellerau den kaukasiendeutschen Maler und Bühnenbildner Alexander von Salzmann kennen. Das Paar heiratete im selben Jahr.

Während der russischen Revolution lebte sie mit ihrem Mann Alexander von Salzmann in Tiflis (Georgien) wo sie eine Tanz– und Musikschule eröffneten. 1919 kam sie durch den Komponisten Thomas de Hartmann in Kontakt mit Georges I. Gurdjieff und wurde eine seiner engsten Schülerinnen. Sie blieb bei Gurdjieff bis zu dessen Tod 1949.

Die folgenden vierzig Jahre arbeitete sie intensiv daran, dessen Lehren vom Vierten Weg weiterzugeben. Zusammen mit anderen Schülern Gurdjieffs gründete sie in den frühen 50er Jahren die Gurdjieff-Foundation, bestehend aus The Gurdjieff Society in England, dem Institut Gurdjieff in Frankreich sowie weiteren Foundations in New York und Caracas. Diese Organisation wird bis heute von direkten Schülern sowie der nächsten Generation geleitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ravi Ravindra: Heart without Measure

Weblinks[Bearbeiten]



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Religious Science

Religious Science Emblem[1]

Religious Science, auch Science of Mind, wurde 1927 von Ernest Holmes (1887–1960) gegründet und ist eine überkonfessionelle, spirituelle/philosophische Bewegung innerhalb der Neugeist-Bewegung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Religious Science – Bewegung sind auf das Jahr 1927 zurückzuführen. Ein Jahr zuvor, 1926, veröffentlichte Ernest Holmes das für die Lehren der Bewegung grundlegende Buch „The Science of Mind“[2]. Holmes gründete daraufhin das Institute for Religious Science und die School of Philosophy in Los Angeles und legte somit den Grundstein für die spätere Church of Religious Science. Heute gibt es – vor allem in den USA – viele Schulungszentren und Gemeinden der Church of Religious Science, die zahlreiche kostenpflichtige Kurse anbieten. Alleine in Kalifornien sind es 95, in Europa sind die meisten Standpunkte in England zu verorten. [3]

Lehre[Bearbeiten]

Die Religious Science – Bewegung vertritt eine panentheistische Weltanschauung, in der Alles und Jeder unmittelbarer sowohl Ausdruck als auch Teil einer göttlichen Intelligenz sind. Weil Gott also alles ist, was ist (und sich somit nicht nur „im Himmel“ oder in ihm zugeteilten Gottheiten wiederfindet), kann sich jeder Mensch diese göttliche Kraft in dem Maße zu eigen machen, in dem er sich selbst mit dessen Gegenwart bewusst macht.

Im Gegensatz zu anderen neugeistigen Untergruppierungen basiert Religious Science nach Ernest Holmes nicht auf irgendwelchen Glaubensgrundsätzen, sondern vielmehr auf dem „was ich erreichen kann“ des einzelnen Gläubigen.

Glaubensbekenntnis[Bearbeiten]

Das Credo der Religious Science, entnommen aus Ernest Holmes „What I believe“:[4]

  • Wir glauben an Gott, den lebendigen Allmächtigen Geist; einer, unzerstörbar, absolut und aus sich selbst existierend. Dieses eine offenbart sich in und durch alle Schöpfung, aber ist von ihr nicht aufgenommen. Das offenbarte Universum ist der Körper Gottes; es ist das logische und notwendige Produkt des unendlichen Selbst-Bewusstseins Gottes.
  • Wir glauben an die Inkarnation des Geistes in Allem, und dass wir alle Inkarnationen des Einen Geistes sind.
  • Wir glauben an die Ewigkeit, die Unsterblichkeit und das Fortbestehen der individuellen Seele, die für immer und ewig wächst.
  • Wir glauben dass das Königreich des Himmels in uns ist, und dass wir dieses Königreich zu dem Grad erfahren, zu dem wir uns dessen bewusst werden.
  • Wir glauben, dass es das höchste Ziel des Lebens ist, die vollständige Loslösung jeglicher Zwietracht der Naturen zu erreichen, und dass dieses Ziel von jedem erreicht wird.
  • Wir glauben an die Einheit allen Lebens, und daran, dass der höchste Gott und der innerste Gott ein und derselbe sind.
  • Wir glauben, dass Gott persönlich ist zu jedem, der seine innewohnende Präsenz spürt.
  • Wir glauben an die direkte Offenbarung der Wahrheit durch unsere intuitive und spirituelle Natur, und daran, dass jeder ein Offenbarer werden kann, der in engem Kontakt mit dem in ihm wohnenden Gott lebt.
  • Wir glauben, dass der Universelle Geist, der Gott ist, durch einen Universellen Verstand handelt, der das Gesetz Gottes ist; und dass wir umgeben sind von seinem Kreativen Geist, der von unseren Gedanken und Taten, die ihn betreffen, direkt beeinflusst wird.
  • Wir glauben an die Heilung der Kranken durch die Kraft dieses Geistes.
  • Wir glauben an die Kontrolle von Situationen durch die Kraft dieses Geistes.
  • Wir glauben an die ewige Güte, die ewige liebende Gunst und das ewige Geschenk des Lebens für alle.
  • Wir glauben an unsere eigene Seele, unseren eigenen Geist und unsere eigene Bestimmung; weil wir verstehen, dass unser Leben Gott selbst ist.

Organisationen[Bearbeiten]

Die größten Religious Science – Organisationen sind:

  • Global Religious Science Ministries (GRSM)[5]
  • United Centers for Spiritual Living (UCSL), früher United Church of Religious Science (UCRS)[6]
  • International Centers for Spiritual Living (ICSL), früher Religious Science International (RSI)[7]
  • Affiliated New Thought Network[8]

Hauptvertreter[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. United Church of Religious Science FAQ
  2. Holmes, Ernest: The Science of Mind, New York : G.P. Putnam’s Sons, 1997.
  3. unitedcentersforspiritualliving.org (englisch)
  4. „What we believe“ – Übersetzt aus dem Englischen
  5. Global Religious Science Ministries Website (englisch)
  6. Church of Religious Science Website (englisch)
  7. Religious Science International – teaching the Science of Mind Website (englisch)
  8. Über das Affiliated New Thought Network (englisch)



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Reiki

„Reiki“ in Kanji-Schreibweise

Reiki [reːki] (jap. レイキ/霊気, dt. etwa „spirituelles/geistiges Qi“) ist eine esoterische Praxis, die Anfang des 20. Jahrhunderts einer von ihm selbst verbreiteten Legende zufolge von Mikao Usui in Japan entwickelt worden sein soll.

Definition[Bearbeiten]

Reiki ist ein Kunstwort, das von Usui aus den japanischen Worten rei (Geist, Seele) und ki (Lebensenergie) gebildet wurde und in der Regel in westlichen Publikationen als „universelle oder universale Lebensenergie“ übersetzt wird. Es bezeichnet dabei sowohl die Behandlungsform und Technik, als auch die hypothetische Energie, mit der gearbeitet werde. Daneben gibt es andere Formen der sogenannten „Energiearbeit“ und Techniken des Handauflegens, die aber mit Reiki nicht identisch sind.

Durch die Anwendung wird die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens, die Erhaltung von Gesundheit und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte im Krankheitsfall angestrebt. Die therapeutische Energiearbeit erfolgt dabei mit Hilfe der Hände des Reiki-Gebenden. Für Reiki wird von den Praktizierenden in der Regel eine „Einweihung“ durch einen Lehrer gefordert.

Die Wirksamkeit ist im Hinblick auf die Heilung von Krankheiten trotz zahlreicher Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen wissenschaftlich nicht plausibel und bisher nicht belegt worden.[1] In klinischen Studien, mit denen die Wirksamkeit belegt werden sollte, zeigte sich entweder kein positiver Effekt oder es wurden entscheidende methodische Schwächen gefunden.[2]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

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Irgendwelche Quellen aus Außensicht sind für die Geschichte des Reiki nicht auffindbar. Hier schmort der Artikel – enzyklopädisch untragbar – förmlich „im eigenen Saft“

Mikao Usui (1865–1926)

Auf welche religiösen oder philosophischen Einflüsse Usuis System direkt zurückgeführt werden kann, ist ungeklärt. Es existieren nur wenige unabhängige Dokumente über die ursprünglichen Fassungen der Lehre. Es gibt jedoch oberflächliche Ähnlichkeiten zum chinesischen Daoismus und zu buddhistischen Philosophien bei Form und Namen der Reikisymbole. Die Reikilehre beinhaltet jedoch keine zentralen buddhistischen Lehren wie beispielsweise der Lehre der Drei Daseinsmerkmale.

1922 will sich Usui zum Fasten auf den Berg Kurama nördlich von Kyōto begeben haben. Während der 21 Tage dort habe er das Reiki nach eigener Darstellung entwickelt. Eine Erzählung besagt, dass sein Fuß anfing zu bluten, als er diesen an einem Stein stieß. Als Usui seine Hände auf die Wunde legte, sei die Blutung gestillt worden. Am selben Tag habe Usui erfolgreich die Zahnschmerzen einer Frau behandelt. So begann Usui, das Phänomen Reiki in der Praxis zu beobachten und dann zu unterrichten.

Eine andere Version beschreibt, dass Usui ein christlicher Mönch gewesen sei, der die Wunderheilungen Jesu erforscht habe. Nach einem Aufenthalt an der Universität von Chicago habe er dann in Japan beim Studium buddhistischer Schriften eine Sanskritformel entdeckt. Diese habe er in einer Vision als Heilssymbol erkannt und dann im Sinne der universalen Lebensenergie angewandt.[3]

Seitdem wird Reiki vom Lehrer zum Schüler durch Einweihung weitergegeben. Mikao Usui weihte − so die Legende − u.a. Chūjirō Hayashi als Reiki-Meister, oder Lehrbefähigter, ein. Hayashi soll u.a. die Hawaiianerin Hawayo Takata als Reiki-Meisterin eingeweiht haben.

Hawayo Takata war die erste Reiki-Meisterin außerhalb von Japan. Sie hat insgesamt 22 weitere Meister ausgebildet, die meisten nicht aus Japan. Fast alle Praktizierenden außerhalb Japans stammen deshalb aus der Einweihungslinie Usui-Hayashi-Takata. 1981 soll Reiki von der in den Vereinigten Staaten lebenden Mary McFadyen, eine der, der Legende nach, von Hawayo Takata ausgebildeten Meister, über Deutschland nach Europa gebracht worden sein.

Usuis ursprüngliche Lehre nannte sich Usui Reiki Ryōhō (臼井靈氣療法) und wird heute in Japan in Abgrenzung zur westlichen Variante auch „(japanisches) traditionelles Reiki“ ((日本)伝統靈氣/(日本)伝統式レイキ, (Nihon) dentō reiki) genannt.[4] Die durch Takata vereinfachte im Westen verbreitete Variante wird dann als „Reiki westlicher Art“ (西洋式レイキ, seiyō-shiki reiki) bezeichnet. Der wesentliche Unterschied ist dass im traditionellen Reiki das Erreichen körperlicher und geistiger Gesundheit lediglich ein Zwischenziel bildet und das Ziel die Erleuchtung (Satori) darstellt.[5]

Technik[Bearbeiten]

Reiki wird von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen ausgeübt. Praktizierende glauben im Gegensatz zu anderen Formen der Energiearbeit, nicht mit ihrer eigenen Energie zu arbeiten, sondern mit einer universellen oder universalen Lebensenergie. Nach der Einweihung durch einen Lehrer sehen sich Praktizierende als Kanal für diese Energie. Da sie nicht mit ihrer eigenen Energie arbeiten, können sie auch sich selbst behandeln.

Reiki soll durch Handauflegen oder durch einige Zentimeter über dem Körper gehaltene Hände übertragen werden. Es gibt Übereinkünfte über die einzelnen Behandlungspositionen für eine Vollbehandlung und für eine Kurzbehandlung. Der Gebende kann aber die Behandlung seiner Erfahrung und Intuition entsprechend verändern.

Anwender gehen davon aus, dass Reiki als Lebensenergie niemals schaden kann. Es könne neben jeder wissenschaftlich medizinischen oder alternativ medizinischen Behandlung angewandt werden. Eine Diagnose sei deshalb für die Behandlung nicht erforderlich.

Wirkung[Bearbeiten]

Ziel der Anwendung ist die körperliche, geistige, seelische und soziale Gesundheit. Anwender vertreten einen ganzheitlichen Ansatz und gehen davon aus, dass Veränderungen in einem Bereich Veränderungen in anderen Bereichen bewirken können. Der Behandelte soll eine tiefe Entspannung empfinden, wie sie auch bei Massagen, autogenem Training und anderen Entspannungsverfahren auftritt. In der Literatur wird angegeben, dass Reiki bei der Behandlung dorthin fließt, wo es benötigt wird. Es wirke auch dann, wenn der Behandelte nicht an die Wirkung glaube, sowie bei Tieren und Pflanzen.

Gleichermaßen wird behauptet, dass Reiki die Selbstheilungskräfte stärkt und hilft, Krankheiten zu überwinden. Es soll unter anderem die Nebenwirkungen von Medikamenten verringern, den Heilungsprozess unterstützen und Schmerzen lindern. Weiter wird Reiki mit dem Versprechen beworben, persönliche Probleme, wie Beziehungskrisen, oder finanzielle Probleme behandeln zu können.

Diese Selbstdarstellung des Reiki wird überwiegend durch Anekdoten belegt, wissenschaftliche Untersuchungen konnten jedoch keine Wirkung bestätigen. Assefi et al. zeigten 2010 in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie mit 100 an Fibromyalgie erkrankten Teilnehmern, dass es keinen Unterschied macht, ob die Patienten von einem Reiki-Therapeuten behandelt wurden oder von einem Schauspieler, der sich als Therapeut ausgab.[6].

Einweihung[Bearbeiten]

Beim Reiki wird davon ausgegangen, dass der Mensch potentiell befähigt ist, eine Art „heilende Energie“ zu übertragen. Um dieses Potential aber nutzen zu können, müsse man von einem Lehrer eingeweiht werden.

Unter Einweihung versteht man ein Ritual, mit dem ein Lehrer den Schüler befähigt, Reiki zu geben oder die Reiki-Symbole zu benutzen. Ohne diese Einweihung sei Reiki-Kanal nicht geöffnet. Auch entfalten die Symbole ohne Einweihung nicht ihre Wirkung.

Traditionell gibt es bis zur Lehrerausbildung drei bis vier Grade, die nachfolgend beschrieben werden. Mit Ausnahme der Meisterausbildung werden die verschiedenen Grade gewöhnlich in kostenpflichtigen Wochenendseminaren unterrichtet.

Erster Grad
„Öffnung“ eines sogenannten Reiki-Kanals, repräsentiert den „körperlichen Bereich“
Zweiter Grad
Einführung dreier Reiki-Symbole, Behandlung des „mentalen Bereichs“
Dritter Grad (Meistergrad)
Einweihung auf das „Meistersymbol“, Zugang zum „astralen Bereich“
Lehrergrad, auch vierter Grad genannt
beinhaltet das Wissen um die Einweihungsrituale und befähigt dazu, andere Menschen zu initiieren.

Der Lehrergrad unterscheidet sich von den anderen Graden grundsätzlich darin, dass hierbei nicht immer eine weitere Einweihung gegeben wird. Manche Lehrer geben allerdings auch bei der Einweihung zum Lehrer ein bis drei Einweihungen. Da die Ausbildung zum Meister beziehungsweise Lehrer unterschiedlich gehandhabt wird, sind auch die Angaben über die Zahl der Einweihungen in der Fachliteratur nicht homogen.[7]

Weitere Schulen[Bearbeiten]

Neben dem beschriebenen traditionellen System nach Mikao Usui haben sich mittlerweile auch weitere Schulen entwickelt, die die Ausbildung zum Lehrer in weitere Grade und Einweihungen aufgeteilt haben oder mit anderen Systemen vermischt haben.

Bei Abänderungen des Systems kann man möglicherweise nicht mehr von Reiki sprechen. Mikao Usui selbst hat sein System als in sich geschlossen und vollständig bezeichnet. Usui und Takata haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Reiki in seinem Wesensgehalt nicht verändert werden darf.

Kosten[Bearbeiten]

Für Behandlungen und Ausbildungen gibt es keine feste Gebührenordnung. Die Vergütung wird deshalb direkt mit dem Praktizierenden ausgehandelt. Die Kosten können, je nach Anbieter und Art der Ausbildung, sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von kostenlos bis zu mehreren Tausend Euro.

Die Kosten für eine Behandlung liegen etwa bei denen einer herkömmlichen Massage, gehen gelegentlich aber auch weit darüber hinaus. Eher selten wird die Behandlung kostenlos oder gegen eine Spende, die im Ermessen des Behandelten liegt, angeboten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Behandlungen nicht, vor allem aufgrund des fehlenden Wirknachweises und der damit verbundenen fehlenden Anerkennung als Heilverfahren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  M. S. Lee, M. H. Pittler, E. Ernst: Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. In: The International Journal of Clinical Practice. Vol. 62, Nr. 6, Juni 2008, S. 947–954, doi:10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x, PMID 18410352.
  2.  Sondra vanderVaart, Violette M. Gijsen, Saskia N. de Wildt, Gideon Koren: A systematic review of the therapeutic effects of Reiki. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 15, Nr. 11, November 2009, S. 1157–1169, PMID 19922247.
  3.  Peter Gerlitz: Reiki. In: Hans Gasper, Joachim Müller, Friederike Valentin (Hrsg.): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. 6 Auflage. Herder Spektrum, Freiburg 2000, ISBN 3451055287, Sp. 883 ff..
  4. 日本式臼井靈氣療法・伝統靈氣について. In: レイキヒーリング 風と緑. Abgerufen am 25. August 2012 (japanisch).
  5. レイキを知る. NPO法人 日本レイキ協会 („Japanischer Reiki-Verband“), abgerufen am 25. August 2012 (japanisch).
  6.  Nassim Assefi, Andy Bogart, Jack Goldberg, Dedra Buchwald: Reiki for the Treatment of Fibromyalgia: A Randomized Controlled Trial. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 16, Nr. 11, November 2010, S. 1191–1200, doi:10.1089/acm.2008.0068, PMID 18991519.
  7. Andreas Dalberg: Der Weg zum wahren Reiki-Meister. 2007, S. 274.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mary McFadyen: Die Heilkraft des Reiki – Mit Händen heilen – Schnellbehandlung. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg, 5. Auflage 2003, ISBN 3-499-61400-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reiki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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Reinkarnation

Der Begriff Reinkarnation [ˌreːɪnkarnaˈtsi̯oːn] (lateinisch ‚Wiederfleischwerdung‘ oder ‚Wiederverkörperung‘), auch Palingenese (altgriechisch, aus πάλιν, pálin ‚wiederum‘, ‚abermals‘ und γένεσις, génesis ‚Erzeugung‘, ‚Geburt‘) bezeichnet Vorstellungen der Art, dass eine (zumeist nur menschliche) Seele oder fortbestehende mentale Prozesse (so oft im Buddhismus verstanden) sich nach dem Tod – der „Exkarnation“ – erneut in anderen empfindenden Wesen manifestieren. Vergleichbare Konzepte werden etwa auch als Metempsychose, Transmigration, Seelenwanderung oder Wiedergeburt bezeichnet. „Außerkörperliche Erfahrungen“ werden oft in Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation gebracht. In einigen, aber keineswegs in allen Reinkarnationslehren ist auch die Karmalehre integriert.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff Reinkarnation bezeichnet keine bestimmte Lehre, sondern fasst eine Vielzahl verschiedener Lehren zusammen. Geprägt wurde er durch den französischen Spiritisten Allan Kardec in dessen Buch der Geister (Livre des esprits, 1857, deutsch 1868). Davor waren Synonyme wie Palingenesia (‚Wiederentstehung‘), Metempsychose (‚Wiederverseelung‘, ‚Seelenwechsel‘) und Metemsomatose (‚Wiederverkörperung‘, ‚Körperwechsel‘) gebräuchlich, die bereits in der Antike Verwendung fanden.[1] Die im 18. und 19. Jahrhundert geläufigste Bezeichnung war Metempsychose, im Deutschen auch Seelenwanderung. Die Bezeichnung Wiedergeburt erwies sich als problematisch, weil sie in einem abweichenden Sinn im Christentum im Zusammenhang mit der Taufe oder Bekehrung verwendet wird (siehe Wiedergeburt (Christentum)).[2] Im 20. Jahrhundert setzte sich Reinkarnation als die geläufigste Bezeichnung durch.

Verbreitung des Glaubens an Reinkarnation[Bearbeiten]

Die zahlenmäßig bedeutendsten Glaubensrichtungen, in denen Reinkarnation eine zentrale Rolle spielt, sind der Hinduismus mit weltweit etwa 900 Mio. und der Buddhismus mit 400–500 Mio. Anhängern.

In diversen europäischen Staaten und den USA werden seit den 1960er Jahren statistische Erhebungen über die Verbreitung des Glaubens an Reinkarnation in der Bevölkerung durchgeführt.[3] Sie ergaben Zustimmungsraten zwischen 10 und 30 %, wobei anscheinend die genaue Fragestellung das Ergebnis stark beeinflusste, während sich sonst kaum irgendwelche Trends ableiten lassen. Wesentlich höher ist mit 45 % das Ergebnis einer Umfrage in Brasilien, was damit zusammenhängen könnte, dass dort der kardecistische Spiritismus weit verbreitet ist.

Reinkarnation im Kontext der Weltreligionen[Bearbeiten]

Hinduismus[Bearbeiten]

In den ältesten heiligen Texten des indischen Hinduismus, den Veden, kommt die Idee der Reinkarnation noch nicht vor. In den Upanishaden, deren älteste auf die Zeit von etwa 800 bis 600 v. Chr. datiert werden, ist sie jedoch ein wesentliches Thema, das seither in vielfältiger Weise variiert wurde.[4]

Illustration der hinduistischen Reinkarnationslehre

Nach hinduistischer Vorstellung ist der Mensch in seinem innersten Wesen eine unsterbliche Seele (Atman), die sich nach dem Tode des Körpers in einem neu in Erscheinung tretenden Wesen – einem Menschen, einem Tier oder auch einem Gott (Deva) – wieder verkörpert. In welcher Art von Wesen das Individuum wiedergeboren wird, hängt ab von den Taten in vorherigen Existenzen, woraus sein Karma resultiert. „Wie einer handelt, wie einer wandelt, ein solcher wird er. Aus guter Handlung entsteht Gutes, aus schlechter Handlung entsteht Schlechtes“, lehren die Upanishaden. Karma ist verknüpft mit der Vorstellung einer sittlichen Weltordnung, dem Dharma, wodurch alle Handlungen gemäß dem Prinzip von Ursache und Wirkung die Voraussetzung für die künftige Wiedergeburt darstellen. Ein jedes Wesen besteht aufgrund seines in früheren Daseinsformen angesammelten Tatenpotenzials, welches das Gesamtergebnis einer jeden Existenz bewirkt. Folglich ist der Tod nicht der Abschluss des Lebens, sondern lediglich der Übergang zu einer neuen Daseinsform. Erhalten bleibt der durch den Atman (ewige Seele) begründete, ewige und unveränderliche Wesenskern des Menschen. Dieser Jiva (die individuelle Seele) ist der Atman zusammen mit Vernunft, Gefühlen und Wünschen, der sich stets aufs Neue manifestiert.

Wo der Jiva sich nach dem Tod des Körpers bis zur erneuten Verkörperung aufhält, darüber bieten hinduistische Überlieferungen keine eindeutigen Angaben. In einigen hinduistischen Richtungen existieren die Motive von Himmel und Hölle (bzw. mehrere davon). Sie schildern verschiedene Himmel, wo der Jiva mit gutem Karma sich eine Weile in überirdischen Freuden aufhalten kann; die Mythologie malt ebenso Bilder von schrecklichen Höllen, in der er solange großes Leid erfährt, bis sein schlechtes Karma verbraucht ist. Doch der Aufenthalt ist in beiden Fällen nicht ewig: Nach einiger Zeit kehrt das Individuum auf die Erde zurück, um wieder und wieder geboren zu werden, – bis zur endgültigen Erlösung (Moksha) durch das Aufgehen in der Weltseele (Brahman). Dieser Kreislauf der Wiedergeburten gilt als Naturgesetz; Kategorien wie Strafe oder Belohnung spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Während einige hinduistische Richtungen das Gesetz des Karma, wonach das Individuum ausschließlich selbst für seine Erlösung verantwortlich ist, als unerbittlich ansehen, vertrauen andere Hindus auf die göttliche Gnade, die Karma vernichten und das Individuum erretten kann. Diese göttliche Hilfe ist ein Hauptthema in hinduistischen Gebeten.

Das Ziel des Hindu besteht darin, den ewigen und mit ständigen Leiderfahrungen verbundenen Kreislauf von Werden und Vergehen (Samsara) zu überwinden. Die Tradition kennt drei klassische Wege, durch die Erlösung erlangt werden kann: den Weg des Wissens (Jnana Yoga), den Weg der Tat (Karma-Yoga) und den Weg der Gottesliebe (Bhakti-Yoga). Viele Denker (etwa Vivekananda) zählen noch einen vierten Weg dazu, Raja Yoga, den „Königsyoga“, der mit speziellen Yogaübungen und Meditation verbunden ist.

Buddhismus[Bearbeiten]

Der Buddhismus (entstanden etwa im 5. Jh. v. Chr.) schließt an die Wiedergeburts- und Karma-Lehre der Upanishaden an, lehnt jedoch die Existenz einer ewigen, die Inkarnationen überdauernden Seele ab (Anatta– oder Anatman-Lehre). Wiedergeburt wird hier verstanden als „Bedingtes Entstehen“, indem die Taten eines Menschen und das sich aus ihnen ergebende Karma eine neue Geburt bedingen, ohne dass etwas von der einen Person in die andere übergeht.[5] In der neueren Forschung wird allerdings die Möglichkeit diskutiert, dass der Religionsstifter Siddhartha Gautama selbst nur einer damals herrschenden, bestimmten Vorstellung des Atman widersprochen habe und dass das erst später verabsolutiert wurde.[6]

Karma ist im Buddhismus die den Wesen innewohnende Fähigkeit zu gezieltem, absichtsvollem Handeln („Die Absicht nenne ich Karma, ihr Mönche“, Siddhartha Gautama), aber auch das Prinzip von Ursache und Wirkung. Auf individueller Ebene bedeutet Karma Tat, Handeln, Wirken, und dessen Folgen in diesem und folgenden Leben. Jede positive oder negative Erfahrung ist durch eine frühere positive oder negative Tat – als körperlicher, sprachlicher und gedanklicher Ausdruck – bedingt und führt ihrerseits wieder zu positiven oder negativen Auswirkungen, verändert somit das Karma. Diese Auswirkungen sind nicht zufällig, unterliegen aber auch keinem höheren (göttlichen) Diktat wie etwa Fügung, Vergeltung usw.

Die Wiedergeburt kann in Menschenform geschehen, aber auch – bei schlechtem Karma – „im Tierreich, im Reich der Hungergeister und Dämonen oder als gequälter Insasse in einer der 8 Haupt- und 160 Nebenhöllen[7] sowie − bei gutem Karma − in einer Himmelswelt.[8] Neben den positiven oder negativen Umständen der Geburt bedingt das Karma auch den Charakter des Geborenen, da die sechs „Wurzeln des Karma“ (Gier und Selbstlosigkeit, Hass und Güte sowie Verblendung und Weisheit) die Tendenz haben, ihnen Ähnliches im selben oder in einem folgenden Leben hervorzurufen.[9]

Die Ursachen der Wiedergeburten liegen nach buddhistischer Auffassung in den drei unheilsamen Wurzeln des Karma: in Gier, Hass und Unwissenheit oder Verblendung (siehe Drei Geistesgifte).[10] Die gemeinte Verblendung besteht darin, dass der Mensch nach Erfüllung im Bereich des Vergänglichen strebt, was unweigerlich zu leidhaften Erfahrungen (Dukkha) führt.[11] Um diesem Leid zu entgehen, strebt der Buddhist auf dem „Achtfachen Pfad“ nach der Erleuchtung (Bodhi), wodurch er die Verblendung und in der Folge auch Gier und Hass überwindet und den Zustand des Nirwana erlangt. Damit endet auch der Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara).

Der Erleuchtete kann jedoch weitere Verkörperungen auf sich nehmen, um anderen Menschen auf dem Weg zur Erleuchtung und Erlösung zu helfen. Das ist der Weg des Bodhisattva, den Gautama Buddha einschlug und der im Mahayana-Buddhismus auch anderen Menschen offensteht.[12] Im Vajrayana-Buddhismus hat sich demgemäß die Tradition der bewussten Wiedergeburt (siehe Trülku) entwickelt.

Judentum[Bearbeiten]

Der Begriff der Reinkarnation (hebräisch: גִלְגּוּל נְשָמוֹת = Gilgul Neschamot, kurz: Gilgul) taucht im Tanach nicht auf, wird aber an mehreren Stellen im Talmud durchaus kontrovers diskutiert und kann sogar als ein grundlegendes Element der Kabbala betrachtet werden.

Der Idee der Reinkarnation begegnet man vor allem in der jüdischen Mystik, so zum Beispiel in dem einflussreichen Sefer ha-Bahir (‚Buch der Erleuchtung‘), das gemeinhin als das älteste Werk der Kabbala gilt und auf Rabbi Nechonja ben ha-Qana (einen Zeitgenossen von Rabbi Jochanan ben Sakkai im 1. Jahrhundert) zurückgehen soll, wahrscheinlich aber erst von Isaak dem Blinden Anfang des 12. Jahrhundert verfasst wurde. Nach der Veröffentlichung des weitaus bekannteren Sefer ha-Sohar (‚Buch des Glanzes‘) im späten 13. Jahrhundert wurde die Reinkarnationslehre für einige Zeit sogar Allgemeingut im (osteuropäischen) Judentum.

Ein bezüglich der Wiedergeburt geradezu klassisches Werk der Kabbala ist Schaar ha-Gilgulim (‚Tor der Reinkarnationen‘) von Rabbi Isaak Luria (1534–1572), genannt Adoneinu Rabbeinu Jizchak (Akrostichon: ha-ARI = ‚der Löwe‘), das die komplexen Gesetzmäßigkeiten der Wiedergeburt von 5 verschiedenen Seelenteilen beschreibt und außerdem die lebenslange Inkarnation (Gilgul) von der vorübergehenden Inkorporation einer fremden guten Seele (Ibbur) oder einer fremden bösen Seele (Dibbuk) abgrenzt. In diesem Werk bezieht sich Luria auch ausdrücklich auf bestimmte Textpassagen im Tanach.

Während viele (vor allem konservative und liberale) Juden heute die Idee der Reinkarnation nicht als Element ihres Glaubens ansehen, ist die Vorstellung der Wiedergeburt bei orthodoxen Juden (besonders bei den Chassidim) weit verbreitet. In manchen chassidischen Gebetbüchern (Siddur) findet sich beispielsweise ein Gebet, das um Vergebung für Sünden in früheren Inkarnationen bittet.

Diese geistige Nähe der Chassidim zum Konzept des Gilgul kann bereits auf den Begründer der chassidischen Bewegung Rabbi Israel ben Elieser (1698–1760), genannt Baal Schem Tow (Akronym: BeSchT), zurückgeführt werden. Martin Buber hat in seinen Werken Die Legenden des Baalschem sowie Die Erzählungen der Chassidim mehrere Geschichten von Baal Schem Tow gesammelt, in denen dieser ganz konkrete Fälle von Reinkarnation darlegt und erläutert.

Christentum[Bearbeiten]

Die großen christlichen Kirchen und entsprechend auch die meisten Theologen lehnen die Vorstellung der Reinkarnation ab. So schrieb etwa der katholische Theologe Helmut Zander in seiner Monographie Geschichte der Seelenwanderung in Europa:

[In der Bibel] „finden sich keine Reinkarnationsvorstellungen, nicht einmal Anspielungen. Auch die Vermutung, reinkarnationsrelevante Stellen seien im Verlauf der Textgeschichte eliminiert worden, hängt im luftleeren Raum.“[13]

Dennoch finden sich vor allem in der esoterischen Literatur der letzten Jahrzehnte zahlreiche Bibelinterpretationen, in denen Zitate aus dem Neuen wie auch dem Alten Testament als Belege für Reinkarnationsvorstellungen gedeutet werden. Die Beurteilung solcher Deutungen fällt unterschiedlich aus. Ähnlich wie Zander äußerte sich der katholische Theologe Norbert Bischofberger:

„Die Behauptung, der Reinkarnationsgedanke sei im Neuen Testament enthalten, erweist sich bei genauerer Untersuchung der immer wieder genannten Stellen als falsch. Der Reinkarnationsgedanke ist im Neuen Testament kein Thema.“[14]

Zu einer anderen Einschätzung kam hingegen der protestantische Theologe Helmut Obst:

„Von einer klaren Reinkarnationslehre kann keine Rede sein. Aber: Es gibt einige wenige Stellen, welche Aussagen und Andeutungen enthalten, die im Sinne der Reinkarnation zu verstehen sind oder entsprechend gedeutet werden können.“[15]

Namentlich die „Elia-Täufer-Problematik“ in den Evangelien mache es „unmöglich zu sagen, das Neue Testament kenne die Reinkarnationsidee überhaupt nicht.“[16] Dabei geht es um Johannes den Täufer, der von Jesus als der Prophet Elija bezeichnet wurde, „der kommen soll“ (Mt 11:13-14 EU, Mt 17:10-13 EU). Allerdings hatte Johannes der Täufer selbst zuvor bestritten, der Prophet Elija zu sein, als er danach gefragt wurde (Joh 1:21 EU).[17] Nach der damaligen Vorstellung wäre das Auftreten von Elija das Wiederkommen eines seinerzeit nicht Gestorbenen, sondern Entrückten (2 Kön 2:9-12 EU).[18]

Im frühen Christentum waren Reinkarnationsvorstellungen verbreitet, da sie in der platonischen Philosophie geläufig waren und durch konvertierte Heiden in christliche Milieus eingebracht wurden. Namentlich in den sogenannten gnostischen Strömungen waren sie präsent. Die Kirchenväter wendeten sich jedoch gegen derartige Tendenzen, da sie eine Reinkarnation in mehrfacher Hinsicht als mit dem christlichen Glauben unvereinbar betrachteten, und dies ist bis heute die Haltung der großen christlichen Kirchen. Die Vorstellung der Wiederauferstehung des ganzen Menschen (Leib und Seele) schließt die wiederholte Inkarnation der Seele in verschiedenen Leibern wie auch die Erlösung der vom Körperlichen befreiten Seele (im Platonismus) aus, und die Erlösung des Menschen durch die Gnade Gottes wird im Allgemeinen als unvereinbar mit Karma-artigen Gesetzmäßigkeiten in diversen Reinkarnationslehren angesehen. Nach dem Verschwinden der christlichen Gnosis spielte Reinkarnation daher lange Zeit keine Rolle mehr im Christentum. Abgesehen von den Katharern im Mittelalter trat sie erst in der Neuzeit wieder auf, und erst seit dem 19. Jahrhundert häufen sich die Versuche, derartige Lehren auch mit der Bibel kompatibel zu machen.[19]

Islam[Bearbeiten]

Die Situation des Reinkarnationsgedankens innerhalb des Islam hat viele Gemeinsamkeiten mit derjenigen innerhalb der anderen beiden abrahamitischen Religionen. Auch hier lehnen die meisten Vertreter der Hauptströmungen (Sunniten und Schiiten) das Konzept der Reinkarnation ab. Tatsächlich ist die Vorstellung einer wiederholten Inkarnation der individuellen Seele schwerlich mit dem traditionellen Verständnis des Glaubens an die persönliche Auferstehung am Tag des jüngsten Gerichts (Harmagedon am „Har-Megiddo“) vereinbar und kann insofern als Apostasie oder Häresie angesehen werden.

Ganz ähnlich den Verhältnissen bei Christen und Juden sollten aber auch hier die Besonderheiten der mystischen Bewegungen nicht übersehen werden. In der islamischen Mystik (Sufismus oder Tasawwuf) vertreten viele esoterische Orden (Tariqas) eindeutig Positionen, die das Konzept der Wiedergeburt problemlos in ihr spirituelles Weltbild integrieren. Hierbei beziehen sich die Sufi-Meister (oder Derwische) oftmals auf den 26. Vers der 2. Sure (al-Baqara = „die Kuh“) des Koran:

„Wie könnt ihr Gott verleugnen, wo ihr tot wart und Er euch lebendig gemacht hat? Dann lässt Er euch sterben und macht euch wieder lebendig, und dann werdet ihr zu Ihm zurückgebracht.“ (Koran 2:26, Übersetzung von Adel Theodor Khoury).

Die islamischen Theologen der konfessionellen Hauptströmungen widersprechen hingegen dieser Interpretation des Verses und argumentieren, dass es sich im ersten Falle („wo ihr tot wart“) um eine Beschreibung geistiger Leblosigkeit im gegenwärtigen Leben und im zweiten Falle („macht euch wieder lebendig“) um die Wiederauferstehung am Tage des jüngsten Gerichts handelt. Dieser innerislamische Disput hat verblüffende Ähnlichkeiten mit den unterschiedlichen innerchristlichen Lesarten der Auferweckung der Toten (zum Beispiel die Lazarus-Episode im Johannesevangelium 11:1–45). Als weiterer Beleg für eine angenommene islamimmanente Reinkarnationslehre wird von der Seite islamischer Mystiker bisweilen der 27. Vers der 3. Sure (Āl Imrān = „die Sippe Imrans“) des Koran herangezogen:

„Du lässt die Nacht in den Tag übergehen, und Du lässt den Tag in die Nacht übergehen. Du bringst das Lebendige aus dem Toten, und Du bringst das Tote aus dem Lebendigen hervor, und Du bescherst Unterhalt, wem Du willst, ohne (viel) zu rechnen.“ (Koran 3:27, Übersetzung von Adel Theodor Khoury).

Die mystische Interpretation der Sufis zeigt sich darüber hinaus einigermaßen unverschleiert in der (insbesondere persischen) klassischen Literatur der islamischen Welt. So findet sich beispielsweise im Buch Mathnawi des persischen Dichters und Sufi-Meisters Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207–1273), genannt Moulana („unser Meister“), auf dessen Lehren der Mevlevi-Derwischorden zurückreicht, folgendes Gedicht:

„Ich starb als Mineral und wurde Pflanze,
Ich starb als Pflanze und wurde Tier,
Ich starb als Tier und wurde Mensch.
Warum soll ich mich fürchten?
Wann wurd ich weniger durch einen Tod?
Noch einmal werd ich sterben als ein Mensch,
Nur um dann aufzusteigen mit der Engel Segen.
Doch auch vom Engelsdasein muss ich weitergehen …“
(Auszug aus dem Mathnawi von Rumi).

(Spätere Sufimeister interpretieren dieses Gedicht jedoch auch anders, nämlich dass Rumi damit das spirituelle Reifen der menschlichen Seele von der mineralischen bis hin zur göttlichen Seele innerhalb eines Menschenlebens beschreibt.)

Der Reinkarnationsgedanke wurde von islamischen Denkern aber auch dazu genutzt, um die ansonsten unverständliche koranische Identifikation von Maryam (Maria), der Mutter des Propheten Isa (Jesus), mit der alttestamentlichen Prophetin Miriam (Mirjam) zu erklären, die die Schwester von Aaron und Musa (Moses) war und mehr als 1.000 Jahre früher gelebt hat.

Darüber hinaus spielt die Reinkarnationslehre noch bei der kleinen Minderheit der Drusen eine zentrale Rolle. Wegen ihrer sehr speziellen Lehren ist es jedoch umstritten, ob diese überhaupt noch als Muslime angesehen werden können. Nach der Lehre der Drusen gibt es eine Reinkarnation von Menschen nur wiederum als Menschen, nicht als Tiere.

Geschichte der Reinkarnationsvorstellungen in Europa[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Die am Anfang der klassischen Antike stehenden, um 800 v. Chr. verfassten Epen von Homer – die Ilias und die Odyssee – kennen keine Reinkarnation. Der älteste schriftliche Nachweis eines Reinkarnationsglaubens in Europa findet sich in der Zweiten Olympischen Ode (476 v. Chr.) des griechischen Dichters Pindar. In später entstandenen Schriften wird auch Pythagoras, der im 6. Jahrhundert lebte, und seinen Schülern eine Reinkarnationslehre zugeschrieben, und Pythagoras galt daher lange als der „Ahnherr“ des Seelenwanderungsglaubens in Europa. Heute gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass die Ursprünge derartiger Vorstellungen noch weiter zurückreichen, zumal sie auch in neuerer Zeit in mündlichen Kulturen (die keine Schriftsprache kannten) weit verbreitet waren.[20]

Weitere bedeutende Vertreter der Reinkarnationslehre innerhalb der griechischen Philosophie waren Empedokles (ca. 490–435 v. Chr.) und Platon (ca. 428–348 v. Chr.). Empedokles lehrte, dass die unsterbliche Seele schon vor der Geburt existiert (Präexistenz) und göttlichen Ursprungs ist. Infolge moralisch schlechter Taten müsse sie sich in zahlreichen Verkörperungen reinigen, um ihren göttlichen Status wieder zu erlangen. Dem liegt der Gegensatz der metaphysischen Prinzipien der Liebe und des Hasses zugrunde. Der Hass verleitet Menschen zu Gewalttaten, derentwegen sie sich erneut in menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Körpern inkarnieren müssen. Die Reinigung erfolgt durch Gewaltlosigkeit einschließlich einer vegetarischen Ernährung. Mit den etwa zeitgleichen hinduistischen und buddhistischen Lehren stimmt Empedokles insofern überein, als die körperliche Existenz als leidvoll betrachtet wird. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass er in der Verkörperung den Weg zur Erlösung sieht (durch eine entsprechende Lebensführung), während nach den indischen Lehren die Erlösung durch besondere, darauf angelegte Verrichtungen angestrebt wird.[21]

Platon, römische Kopie einer zeitgenössischen Büste

Platon griff die Vorstellungen des Empedokles auf und baute sie weiter aus. Er war der einflussreichste Vertreter der Seelenwanderungslehre in der europäischen Antike. Nach seiner Darstellung lebten die menschlichen Seelen ursprünglich im Bereich der unvergänglichen göttlichen Urbilder oder Ideen. Aufgrund verschiedener niederer Beweggründe entfremdeten sie sich jedoch diesem Zustand unvergänglicher Seligkeit, was schließlich zum körperlichen Dasein führte. Auch im verkörperten Zustand habe die Seele aber noch schwache Erinnerungen an ihr früheres gottgleiches Dasein, und daher strebe ihr höherer Teil, die Vernunft, nach der Erlösung aus dem Gefängnis, als welches Platon den materiellen Körper bezeichnete, während die niederen Begierden die Seele an das Materielle binden wollen. Der Weg zur Erlösung von der körperlichen Existenz besteht nach Platon in der Verwandlung niederer Begierden in Tugenden.[22]

Im weiteren Verlauf der Antike lebte der Reinkarnationsgedanke vor allem in den Strömungen des Pythagoreismus und des Platonismus (Plutarch, Plotin, Porphyrios u. v. a.) weiter, wobei er auch in die römische Kultur, in der er ursprünglich nicht geläufig war, Eingang fand. Weitere wichtige Strömungen, in denen die Seelenwanderung gelehrt wurde, waren der Manichäismus und die Hermetik. Bedeutende Dichter wie Vergil und Ovid griffen das Thema auf, ohne sich selbst allerdings erkennbar dafür oder dagegen auszusprechen, während Lukrez und Lukian nur Spott übrig hatten. Entschiedene Gegner der Reinkarnationslehren waren auch Aristoteles und die Sophisten. In den Details waren diese Lehren sehr vielgestaltig, selbst innerhalb des Werkes eines einzelnen Philosophen wie etwa Plutarch finden sich diverse Varianten. Welche Bedeutung ihnen in den antiken Gesellschaften Europas zukam, lässt sich nach dem Stand der Forschung nur grob ermessen. Für eine Breitenwirkung außerhalb gelehrter Kreise gibt es (abgesehen von der religiösen Bewegung des Manichäismus) keine Indizien; daher ist anzunehmen, dass es sich hauptsächlich um ein Thema elitärer Diskurse handelte. Gegen Ende der Antike trat es auch in diesen allmählich zurück, um schließlich praktisch zu verschwinden.[23]

Im antiken Judentum war Reinkarnation kein Thema, und auch in dem daraus hervorgehenden Christentum spielte sie zunächst keine Rolle. Mit dem massenhaften Übertritt von Heiden zum Christentum wurden jedoch auch in diese Kreise derartige Gedanken hineingetragen. Dies schlug sich darin nieder, dass in den Schriften der Kirchenväter des Öfteren Fragen der Wiedergeburt diskutiert wurden, wobei jedoch durchweg die Reinkarnation der Seele in einem anderen Körper abgewiesen und nur die Auferstehung des ganzen Menschen vertreten wurde. Namentlich zugeschrieben wurde ein Glaube an Reinkarnation verschiedenen Angehörigen der christlichen Gnosis, wobei solche Vorstellungen anscheinend aber auch in dieser keine größere Bedeutung erlangten.[24]

Ob aus der Religion der Kelten (in Deutschland ca 650 v. Chr bis 15 v. Chr) ein Glaube an Reinkarnation herausgelesen werden kann, ist unter Keltologen umstritten. Julius Caesar berichtet allerdings in seinem De bello gallico (Liber VI, 14):

Der Kernpunkt ihrer Lehre ist, dass die Seele nach dem Tod nicht untergehe, sondern von einem Körper in den anderen wandere. Da so die Angst vor dem Tod bedeutungslos wird, spornt das ihrer Meinung nach die Tapferkeit ganz besonders an.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Mittelalter wurden Reinkarnationslehren im christlichen Kulturraum nur ausnahmsweise vertreten. Sicher belegt sind sie nur bei der „Ketzerbewegung“ der Katharer und bei dem spät-byzantinischen Philosophen Georgios Gemistos Plethon.[25] Im Judentum hingegen gibt es reichere Belege und Hinweise für derartige Vorstellungen. So beschreibt Saadia Gaon in seinen um 930 entstandenen Glaubenslehren und Meinungen vier verschiedene Reinkarnationslehren, die er jedoch alle zu widerlegen versucht. Positive Aussagen über Seelenwanderung finden sich dann – jedenfalls nach der Interpretation durch Gershom Scholem – in dem um 1200 in Südfrankreich entstandenen Buch Bahir. Daran schloss unter anderem die Reinkarnationslehre Isaaks des Blinden (ca. 1165–1235) an, der in der Provence wirkte und als Chassid verehrt wurde. Durch Schüler Isaaks gelangte diese Lehre ins benachbarte Katalonien, wo sie in der Geroneser Kabbalisten-Schule gepflegt, aber nur in Andeutungen schriftlich dokumentiert wurde. Von dort aus verbreitete sich dieser Gedanke innerhalb des Judentums, erfuhr mannigfaltige Variationen und etablierte sich in den folgenden Jahrhunderten als zumindest bei jüdischen Intellektuellen geläufige Vorstellung.[26]

Bei den christlichen Katharern waren Seelenwanderungsvorstellungen im 13. und 14. Jahrhundert verbreitet, wobei deren Herkunft unklar ist. Die Quellen lassen eine Vielfalt im Detail erkennen, etwa bei der Frage, wie viele Inkarnationen zu durchlaufen seien und welche Tiere als Körper für reinkarnierende Menschenseelen als Folge eines verwerflichen früheren Lebens in Frage kämen. Durchgehend vorhanden ist aber die Zielsetzung, die körperliche Existenz zu überwinden und nicht wiedergeboren zu werden. Dieses Ziel sei nur für die Katharer erreichbar, indem sie entweder den Status des „Perfectus“ (im Unterschied zu den nur gläubigen Credentes) erlangen oder auf dem Sterbebett durch einen freiwilligen Hungertod die Verunreinigung durch das Materielle überwinden. Die Katharer wurden als Häretiker bekämpft (daher die Bezeichnung „Ketzer“, abgeleitet von „katharoi“) und schließlich ausgerottet.[27]

Plethon (ca. 1355–1450), der letzte bedeutende Philosoph des untergehenden Byzantinischen Reiches, vertrat im Rahmen der von ihm betriebenen Wiederbelebung griechisch-antiken Geistesgutes eine neuplatonisch geprägte Seelenwanderungslehre. Zu seinen Lebzeiten scheint diese aber nicht außerhalb eines engen Kreises bekannt geworden zu sein, und nach seinem Tod wurden die Aufzeichnungen, die er zu ihr gemacht hatte, verbrannt.[28]

Neuzeit[Bearbeiten]

In der Renaissance wurden die Schriften Platons und der Neuplatoniker auch im Westen verfügbar und die von diesen Philosophen vertretenen Reinkarnationslehren diskutiert. Da sie als mit dem christlichen Glauben unvereinbar angesehen wurden, lehnte man sie entweder ab (zum Beispiel Johannes Reuchlin) oder versuchte, sie allegorisch umzudeuten (so Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola).[29]

Zu einer an Pythagoras anknüpfenden Reinkarnationslehre bekannte sich Giordano Bruno (1548–1600) im Rahmen seiner für damalige Verhältnisse revolutionären Kosmologie. Allerdings kommt sie in seinen Werken nur am Rande zur Sprache und scheint erst im 20. Jahrhundert ein bedeutendes Interesse auf sich gezogen zu haben. Auch bei Brunos Verurteilung als Ketzer war sie nicht maßgeblich.[30]

In die öffentliche Diskussion (außerhalb jüdischer Kreise) brachte das Thema Seelenwanderung erst Franciscus Mercurius van Helmont (1614–1699), der Sohn des berühmten Arztes, Philosophen und Naturforschers Johan Baptista van Helmont. Er war an der Vorbereitung der ersten bedeutenden Übersetzung kabbalistischer Texte ins Lateinische maßgebend beteiligt und hat dabei nach eigenen Angaben veranlasst, dass die Reinkarnationslehre des Kabbalisten Isaak Luria einbezogen wurde, obwohl der Herausgeber Christian Knorr von Rosenroth sie ablehnte. Kurz darauf (1684) publizierte er, der „jüngere van Helmont“, eine eigene, aus dem Christentum entwickelte Reinkarnationslehre, mit der er zwischen dem Christentum und dem Judentum zu vermitteln versuchte und die sich erheblich von Luria unterschied. Damit stieß er allerdings ganz überwiegend auf Ablehnung, und das Thema blieb noch für weitere fast hundert Jahre eine Randerscheinung in intellektuellen Kreisen.[31]

Anton Graff: Gotthold Ephraim Lessing (1771)

Das änderte sich jedoch – jedenfalls für den deutschen Sprachraum – schlagartig mit Gotthold Ephraim Lessings 1780 erschienener Schrift Die Erziehung des Menschengeschlechts. Darin bezog Lessing selbst zwar keine klare Position, sondern stellte Fragen wie: „Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin?“ oder: „Ist diese Idee denn so lächerlich, weil sie die älteste ist?“ Diese Äußerungen Lessings wurden dann aber vielfach prompt als ein Bekenntnis zur Reinkarnation interpretiert und zogen jedenfalls ein lebhaftes Interesse auf sich. Lessing betrachtete wiederholte Erdenleben als mögliches Mittel der Entwicklung und Erziehung des Menschen und stellte sie auch insofern positiv dar, als er Inkarnationen in Tierkörpern ausschloss. Dieser Ansatz Lessings war prägend für spätere westliche Reinkarnationslehren etwa im Spiritismus, in der Theosophie und in der Anthroposophie.[32]

Im Jahr darauf publizierte Johann Georg Schlosser, der Freund und Schwager Johann Wolfgang von Goethes, mit Über die Seelenwanderung die erste Schrift jener Zeit, die sich explizit und zustimmend mit dem Thema befasste. Eine facettenreiche Debatte kam in Gang, an der sich unter Anderen auch Goethe und Johann Gottfried Herder beteiligten und in deren Verlauf auch „indische“ (hinduistische) Quellen rezipiert wurden; sie begann sich gegen 1800 in der Belletristik niederzuschlagen.[33]

Auch im 19. Jahrhundert wurde das Thema weiter diskutiert. Ein relativ prominenter Befürworter der Seelenwanderung im deutschen Sprachraum war der Arzt Georg von Wedekind, der 1826 in einer protestantischen Kirchenzeitung und 1828 in dem Buch Über die Bestimmung des Menschen Christentum und Reinkarnation zu verbinden suchte. Unter den Gegnern ragt der Philosoph Wilhelm Traugott Krug mit seinem 1836 publizierten Glaubensbekenntnis über Seelenwanderung und Unsterblichkeit heraus. Auch bedeutende Dichter wie Friedrich Hebbel und Heinrich Heine griffen das Thema auf. In Frankreich verbanden die Frühsozialisten Charles Fourier und Pierre Leroux ihre politischen Utopien mit Reinkarnationsvorstellungen, was unter anderem von George Sand literarisch aufgegriffen wurde.[34]

Arthur Schopenhauer 1859

Einen bedeutenden Neueinschlag stellt die Reinkarnationslehre Arthur Schopenhauers dar, die dieser 1844 im Ergänzungsband zu seinem philosophischen Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung formulierte. Darin kombinierte er Elemente hinduistischer und buddhistischer Lehren mit an Kant und Platon anknüpfenden philosophischen Ansätzen.[35] Wiedergeboren wird nach Schopenhauer nur der unbewusste Wille des Individuums, der jeweils „einen neuen Intellekt erhält“. Seine Philosophie und insbesondere die damit verknüpfte Reinkarnationslehre hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Komponisten Richard Wagner, in dessen Werken das Motiv der Seelenwanderung allerdings nur zeitweilig zur Sprache kam und später durch traditionell-christliche Formulierungen ersetzt wurde. Zu den prominenten Rezipienten Schopenhauers gehörte auch der Dichter Wilhelm Busch, der das Thema der Wiedergeburt des Öfteren aufgriff, ohne dabei selbst klar Stellung zu beziehen.[36]

Allan Kardec

Sehr folgenreich war das 1857 in erster und 1860 in erheblich erweiterter zweiter Auflage erschienene Livre des esprits (Buch der Geister, deutsch 1868) des französischen Arztes und Spiritisten Hippolyte Léon Denizard Rivail alias Allan Kardec, in dem dieser den damals äußerst populären Spiritismus mit einer Reinkarnationslehre zu einem Glaubenssystem verband, dem aus heutiger Sicht der Status einer alternativen Religion zuerkannt wird. Damit verlagerte sich (zunächst in Frankreich) der Diskurs über das Thema Reinkarnation in den okkultistischesoterischen Bereich, womit eine erhebliche Popularisierung verbunden war, während in der Wissenschaft mittlerweile ein radikaler Materialismus tonangebend war, der derartige Themen im akademischen Bereich an den Rand drängte. Auch die moderne Bezeichnung „Reinkarnation“ tritt bei Kardec erstmals nachweislich auf (davor waren Bezeichnungen wie „Metempsychose“ oder „Palingenese“ üblich).[37]

Helena Petrovna Blavatsky 1889

Zur zeitweilig wichtigsten Institution bei der Verbreitung des Reinkarnationsgedankens entwickelte sich die 1875 gegründete Theosophische Gesellschaft, nachdem in dem 1888 in London erschienenen Hauptwerk ihrer Mitbegründerin Helena Petrovna Blavatsky, The Secret Doctrine (deutsch Die Geheimlehre, 1899), die Reinkarnation zu einem integralen Bestandteil der theosophischen Lehre erhoben worden war. Obwohl offenbar durch hinduistische und buddhistische Einflüsse mit angeregt, ist Blavatskys Reinkarnationslehre in wesentlichen Punkten europäisch geprägt und insbesondere mit neuplatonischen Ansätzen zu vergleichen. So gilt ihr zufolge nicht das Aufgehen der Persönlichkeit im Nirvana als Ziel, sondern im Gegenteil deren fortschreitende, selbstbestimmte Entwicklung im Verlauf der Inkarnationen. An Blavatskys Darstellungen knüpften andere Theosophen an, wobei im deutschen Sprachraum Rudolf Steiner im Rahmen seiner Anthroposophie das laut Zander „vermutlich wirkungsmächtigste Reinkarnationsmodell“ entwarf.[38]

Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein vermehrtes Interesse am Buddhismus mit seinen Reinkarnationsvorstellungen, nachdem buddhistische Quellen in Übersetzungen vorlagen und religionswissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Dazu trugen auch führende Vertreter der Theosophischen Gesellschaft wie Blavatsky, Henry Steel Olcott und Charles Webster Leadbeater bei, die zum Buddhismus konvertierten und diesen propagierten. Vielfach wurde versucht, Elemente des Buddhismus mit westlichen Anschauungen zu verbinden, während die Widersprüche zwischen der buddhistischen Karma-Lehre und der christlichen Tradition wie auch dem westlichen Fortschrittsglauben erst allmählich deutlich wurden. Im Falle des Hinduismus verlief die Entwicklung zunächst überwiegend in umgekehrter Richtung: Bedeutende hinduistische Denker wie Vivekananda, Aurobindo Ghose und Sarvepalli Radhakrishnan nahmen westliche Elemente in ihre Lehren auf und entwickelten einen Reformhinduismus, während die Rezeption hinduistischer Lehren im Westen weit hinter der des Buddhismus zurückblieb.[39]

Ein Medienereignis, das in den 1950er Jahren speziell in den USA die öffentliche Aufmerksamkeit zeitweilig auf das Thema Reinkarnation lenkte, war der „Fall Bridey Murphy“: Die US-Amerikanerin Virginia Tighe berichtete unter Hypnose von einer früheren Inkarnation als „Bridey Murphy“ im 19. Jahrhundert in Irland, sprach dabei selbst irisch und machte erstaunlich detaillierte Angaben. Ein Zeitungsbericht darüber löste in den USA ein regelrechtes „Reinkarnationsfieber“ (Zander) aus, und etliche Angaben Tighes konnten bei Nachforschungen in Irland bestätigt werden. Es ergaben sich jedoch auch Unstimmigkeiten, und schließlich konnte der Fall weitgehend dadurch plausibel gemacht werden, dass Virginia Tighe in ihrer Jugend intensiven Kontakt mit irischen Einwanderern gehabt hatte, darunter eine Frau mit dem Geburtsnamen Bridey Murphy.[40]

Mit der „empirischen Reinkarnationsforschung“ trat im 20. Jahrhundert ein neues Thema in der Reinkarnationsdebatte in Erscheinung. Der renommierteste Vertreter davon war der Parapsychologe Ian Stevenson, der internationales Aufsehen durch seine Forschungen mit Kindern erregte, die spontan von „Erinnerungen“ an frühere Leben berichteten und vielfach auch psychologische und körperliche Eigenschaften aufwiesen, die damit im Zusammenhang zu stehen schienen. Es folgte ein laut Zander „unüberschaubarer Strom“ publizierter „Forschungsergebnisse“ und „Beweise“, die in vielen Fällen als – wie im Fall Murphy – vermeintliche Erinnerungen an frühere Inkarnationen betrachtet werden dürften. Derartige Untersuchungen stoßen jedoch selbst unter Parapsychologen auf massive Kritik. Ernsthaftere Vertreter wie Stevenson sprechen jedoch nicht von Beweisen, sondern lediglich von einer Hypothese. Einen Schritt weiter geht die Reinkarnationstherapie, die versucht, „Rückführungen“ in vermeintliche frühere Inkarnationen psychotherapeutisch zu nutzen.[41]

Im späten 20. Jahrhundert entstanden neue Glaubensgemeinschaften und -richtungen, in denen Reinkarnationsvorstellungen eine bedeutende Rolle spielen, darunter Universelles Leben, das sich auf Gabriele Wittek beruft, und das Neuheidentum (Neopaganismus).[42]

Empirische Reinkarnationsforschung[Bearbeiten]

Die empirische Reinkarnationsforschung ist eine Parawissenschaft, die versucht, zu klären, ob es Reinkarnationen gibt. Dazu werden Fallberichte von Erinnerungen an frühere Leben erforscht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bergunder: Reinkarnationsvorstellungen als Gegenstand von Religionswissenschaft und Theologie (PDF; 2,9 MB), in: Theologische Literaturzeitung 126 (2001), 701-720.
  • H. W. Bodewitz: The Hindu Doctrine of Transmigration. Its Origin and Background, in: Indologica Taurinensia 23-24 (1998), 583-605.
  • Klaus Butzenberger: Ancient Indian Conceptions of Man’s Destiny after Death, The beginnings and the early development of transmigration, Teil 1 in: Berliner Indologische Studien 8-10 (1996), 55-118, Teil 2 ebd. 11-12 (1998), 1-84.
  • Paul Edwards: Reincarnation. A Critical Examination. Amherst/New York 1996.
  • Ronald W. Neufeldt: Karma and Rebirth. Post Classical Developments. Albany 1986.
  • Helmut Obst: Reinkarnation. Weltgeschichte einer Idee, Beck, München 2009.
  • Wendy D. O’Flaherty (Hrsg.): Karma and Rebirth in Classical Indian Traditions. Berkeley 1983.
  • Jürgen Pfestorf: Reinkarnation, Wiedergeburt und Auferstehung in den Evangelien. 2. Auflage, Bautz, Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-493-9.
  • Rüdiger Sachau: Westliche Reinkarnationsvorstellungen (= Diss. Marburg 1995). Kaiser, Gütersloh 1996.
  • Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Idee der Reinkarnation in Ost und West. Diederichs, München 1996, ISBN 3-424-01335-8.
  • Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa. Alternative religiöse Traditionen von der Antike bis heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, ISBN 3-89678-140-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Obst: Reinkarnation – Weltgeschichte einer Idee, München 2009, S. 7.
  2. Obst, S. 7f.
  3. Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa, Darmstadt 1999, S. 598–602.
  4. Zander, S. 25 und 31–34.
  5. Hans Wolfgang Schumann: Seelensucher gegen Seelenleugner – Die Wiedergeburtslehren der indischen Religionen, in Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Idee der Reinkarnation in Ost und West, München: Diederichs 1996, S. 14–28; hier S. 23–26.
  6. Claus Oetke: »Ich« und das Ich – Analytische Untersuchungen zur buddhistisch-brahmanischen Atmankontroverse, Wiesbaden 1988, zitiert bei Zander, S. 663f.
  7. Perry Schmidt-Leukel: Reinkarnation und spiritueller Fortschritt im traditionellen Buddhismus, in Die Idee der Reinkarnation in Ost und West, München 1996, S. 29–56, hier S. 32.
  8. Schmidt-Leukel, S. 36f.
  9. Schmidt-Leukel, S. 36–40.
  10. Schumann, S. 26; Schmidt-Leukel S. 34f.
  11. Schmidt-Leukel, S. 30–35.
  12. Schmidt-Leukel, S. 51–56.
  13. Zander, S. 119. Die Fortsetzung des Zitates: „Kein Text der Weltgeschichte ist so gut untersucht, von keinem Buch hat man in einem derartigen Ausmaß auch mikroskopische Überlieferungstrümmer zusammengekratzt, kein Werk ist hinsichtlich seiner Entstehungsgeschichte so gut dokumentiert. Bei alledem ist nicht ein einziger Hinweis auf Seelenwanderung zutage getreten.“
  14. Norbert Bischofberger: Der Reinkarnationsgedanke in der europäischen Antike und Neuzeit, in Die Idee der Reinkarnation in Ost und West, München 1996, S. 76-94, Zitat S. 81f.
  15. Obst, S. 87.
  16. Obst, S. 89.
  17. Leon Morris: The Gospel according to John (New London Commentaries). 1971, S.134f, löst diesen Widerspruch folgendermaßen: Johannes der Täufer war nicht identisch mit dem alttestamentlichen Elija, aber er war der – mitunter „Elija“ genannte – Vorläufer.
  18. Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, Bd.3 (1994), S. 1682: „es ist hier eine Wiederkehr des entrückten hist. Propheten gemeint, keine Seelenwanderung“.
  19. Zander, S. 126–152.
  20. Carl A. Keller: Reincarnation I: Antiquity, in: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, Brill, Leiden/Boston 2005, S. 980f; Zander, S. 57–63. Siehe hierzu und zum Folgenden auch Walter Stettner: Die Seelenwanderung bei Griechen und Römern, Diss. Tübingen 1933, Stuttgart/Berlin 1934; Carl Hopf: Antike Seelenwanderungsvorstellungen, Diss. Leipzig 1934; Herbert Strainge Long: A Study of the Doctrine of Metempsychosis in Greece – From Pythagoras to Plato, Princeton 1948; Angelika Böhme: Die Lehre von der Seelenwanderung in der antiken griechischen und indischen Philosophie – Ein Vergleich der philosophischen Grundlegung bei den Orphikern, bei Pythagoras, Empedokles und Platon mit den Upanishaden, dem Urbuddhismus und dem Jainismus, Diss. Düsseldorf 1989; Ioannis G. Kalogerakos: Seele und Unsterblichkeit – Untersuchungen zur Vorsokratik bis Empedokles, Stuttgart/Leipzig 1996.
  21. Keller, S. 981; Zander, S. 63–66.
  22. Keller, S. 981f.
  23. Zander, S. 81–119; Keller, S. 981.
  24. Zander, S. 119–152.
  25. Zander, S. 216.
  26. Zander, S. 170–185. Siehe auch Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt/Main 1957, und Seelenwanderung und Sympathie der Seelen in der jüdischen Mystik, in: Eranos-Jahrbuch 24/1955, Zürich 1956, S. 55–118, auch enthalten in: Von der mystischen Gestalt der Gottheit – Studien zu Grundbegriffen der Kabbala, Zürich 1962, S. 193–247.
  27. Zander, S. 199–216.
  28. Zander, S. 230–233.
  29. Zander, S. 233–244.
  30. Zander, S. 247–254.
  31. Zander, S. 257–273 und 337–341. Siehe auch Allison P. Coudert: The Impact of the Kabbalah in the Seventeenth Century: The Life and Thought of Francis Mercury Van Helmont (1614–1698), Brill 1998.
  32. Zander, S. 11f und 344–352; Bischofberger, S. 84f. Siehe auch Gotthold Ephraim Lessing: Die Erziehung des Menschengeschlechts, Berlin 1780; aktuelle Taschenbuchausgabe: dtv, München 1997, ISBN 3-423-02630-8.
  33. Zander, S. 352–388.
  34. Zander, S. 402–433.
  35. Vgl. einführend und unter dem hier verhandelten Aspekt: Schmidt-Leukel et al. 1996, 95.
  36. Zander, S. 440–466.
  37. Zander, S. 415f und 472–474.
  38. Zander, S. 477–494; siehe auch Ronald W. Neufeldt: In search of utopia: Karma and rebirth in the theosophical movement, in: Karma and Rebirth – Post Classical Developments, Albany 1986, S. 233–255.
  39. Zander, S. 509–515 und 550–554.
  40. Zander, S. 566f.
  41. Zander, S. 567–575.
  42. Zander, S. 576–579.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Reinkarnation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Reinkarnation – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikiversity: Reinkarnation und Christentum – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch



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Wilhelm Reich

Gedenktafel für Wilhelm und Annie Reich in Berlin

Wilhelm Reich (* 24. März 1897 in Dobzau, Galizien, Österreich-Ungarn; † 3. November 1957 in Lewisburg, Pennsylvania, USA[1]) war ein österreichischUS-amerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe. Mit der von ihm ab 1934 entwickelten Vegetotherapie war er Mitbegründer der Körperpsychotherapie. Nach 1940 entwickelte er seine umstrittene Orgonomie.

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Reich wurde 1897 als erster von zwei Söhnen des Gutsbesitzers Léon Reich und dessen Frau Cecilia geboren. Reichs Geburtsort Dobzau, auch Dobrzanica, liegt im damals österreichischen Teil Galiziens, der Ort Jujinetz, wo Reich den Großteil seiner Kindheit verbrachte, in der Bukowina, dem damals östlichsten Teil des k.u.k. Österreich-Ungarn. Reichs Eltern waren zwar jüdischer Herkunft, hatten sich aber vom jüdischen Glauben gelöst, weshalb Reich keine religiöse Erziehung erhielt. Er wurde zuhause von Privatlehrern unterrichtet, bis er auf das Gymnasium von Czernowitz ging. Mit einem dieser Privatlehrer unterhielt Reichs Mutter zeitweilig eine intime Beziehung, die der etwa elfjährige Wilhelm entdeckte. Seine Mutter verübte Suizid, als er vierzehn war; sein Vater wurde depressiv, erkrankte und starb 1914. Der siebzehnjährige Reich musste nun die Leitung des Gutsbetriebs übernehmen, wurde aber 1915 durch einrückende russische Truppen zur Flucht gezwungen. Er trat der k.u.k.-Armee bei und blieb bis zum Kriegsende 1918 im Militärdienst.

Wilhelm Reich ging anschließend nach Wien und studierte, nach einem Semester Rechtswissenschaften, Medizin. Er wurde durch ein Seminar zur Sexualität, das sein Kommilitone Otto Fenichel außeruniversitär organisiert hatte, auf Sigmund Freud und die Psychoanalyse aufmerksam. 1920, noch als Student, wurde er – eine große Ausnahme – in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Ohne jemals eine Lehranalyse abgeschlossen zu haben, praktizierte er mit kaum 23 Jahren als Psychoanalytiker und leitete von 1924 bis 1930 das Wiener Seminar für Psychoanalytische Therapie, wo man praktische Probleme der Behandlung systematisch erforschte. Aus den Diskussionen im Seminar für Psychoanalytische Therapie und aus einer konsequenten Weiterentwicklung der Freudschen Libidotheorie zur Orgasmustheorie (1927) gingen seine therapietechnischen Innovationen hervor: von der Widerstandsanalyse zur Charakteranalyse (1933), danach zur körperorientierten Vegetotherapie (1935) und in den 1940er Jahren zur Orgontherapie.

Unter dem Eindruck der Geschehnisse beim Wiener Justizpalastbrand vom 15. Juli 1927 trat Reich in die Kommunistische Partei Österreichs ein[2] und wurde politisch aktiv. Unter anderem eröffnete er mit Marie Frischauf und anderen kommunistischen oder sozialdemokratischen Ärzten in verschiedenen Stadtteilen Wiens Sexualberatungsstellen.[3]

Reich heiratete 1921 in Wien eine ehemalige Patientin, die Medizinstudentin Annie Pink, die später ebenfalls Psychoanalytikerin wurde. Aus der Ehe, die bis 1932 dauerte, gingen zwei Töchter hervor: 1924 Eva und 1928 Lore. 1933 wurde die Balletttänzerin Elsa Lindenberg, die Reich in Berlin kennengelernt hatte, im skandinavischen Exil ohne formelle Eheschließung seine zweite Frau; sie blieb jedoch, als Reich 1939 nach New York emigrierte, in Norwegen. In den USA heiratete Reich Ilse Ollendorff, die aus Deutschland emigriert war. Diese Ehe, aus der 1944 der Sohn Peter hervorging, wurde 1954 geschieden.

Reich war mit A. S. Neill befreundet und schickte später seinen Sohn Peter auf dessen Schule Summerhill.

Mit der Orgasmustheorie führte Reich ein Kriterium für psychische Gesundheit und somit auch als Therapieziel ein: die orgastische Potenz. Zugleich betonte er, dass dieses Ziel nur schwer erreichbar ist und die Neurose als Massenerscheinung ohnehin nicht durch Einzeltherapien zu beseitigen sei, sondern nur durch Prophylaxe. Sowohl wegen seiner Auffassung von psychischer Gesundheit als auch wegen der im Gebot der Prophylaxe implizierten politischen Konsequenzen geriet Reich schon um 1926 in einen schwelenden Konflikt mit Freud, der schließlich – ohne jede sachliche Auseinandersetzung – im August 1934 zu Reichs Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) führte.[4]

Seit Mitte 1927 hatte Reich außerdem, parallel zu seiner Arbeit innerhalb der Psychoanalyse, eine Synthese von Marxismus und Psychoanalyse (siehe: Freudomarxismus) auf theoretischer wie praktischer Ebene versucht. Er war 1930 von Wien nach Berlin gegangen, wo er der KPD beitrat und 1931 den Deutschen Reichsverband für Proletarische Sexualpolitik gründete, kurz: die Sexpol. Auch diese Arbeit war so konfliktträchtig, dass er 1933, vor allem wegen seines Buches Massenpsychologie des Faschismus,[5] aus der Partei ausgeschlossen wurde. Reichs Buch Die Sexualität im Kulturkampf (1936)[6] enthält eine scharfe Kritik der rückschrittlichen Entwicklung in der Sowjetunion unter Stalin.[7]

Reich lieferte mit seiner Massenpsychologie des Faschismus die erste größere, aus psychoanalytisch-gesellschaftskritischer Sicht geschriebene Auseinandersetzung mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus. Er behauptet einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Die patriarchalische (Zwangs-)Familie als Keimzelle des Staates schaffe die Charaktere, die sich der repressiven Ordnung, trotz Not und Erniedrigung, unterwerfen. Das später von Erich Fromm entwickelte Konzept des autoritären Charakters sah Reich als verwässerndes Plagiat seiner Theorie an.[8]

Als Reich Ende 1930 nach Berlin kam, begann Fritz Perls, der bereits 1927 in Wien an Reichs „Technischem Seminar“ teilgenommen hatte, eine Lehranalyse bei ihm. Sie wurde durch die Emigration Reichs im Frühjahr 1933 beendet. Reichs Einfluss war maßgeblich für Perls‘ spätere Entwicklung der Gestalttherapie.[9]

1933 floh Reich zusammen mit seiner Frau vor den Nationalsozialisten zunächst nach Wien und emigrierte dann nach Dänemark. Seine Bücher wurden zu dieser Zeit in Deutschland verbrannt. 1934 verlor er die Aufenthaltsgenehmigung für Dänemark und floh deshalb nach Norwegen. Im August 1939, kurz vor Beginn des Krieges, übersiedelte Reich mitsamt seinem Labor nach New York, was nur möglich war, weil er einen Lehrauftrag an der New School for Social Research erhalten hatte. Dort hatte er Einfluss auf spätere Körperpsychotherapeuten wie Alexander Lowen, die insbesondere seine Erweiterung der psychoanalytischen „Redekur“ zu einem psychosomatischen Konzept schätzten. Reich hatte in den 1930er Jahren von dem damals zu den führenden Physiologen zählenden Friedrich Kraus das Konzept der „vegetativen Strömung“ übernommen und seine Charakteranalyse zur Vegetotherapie weiterentwickelt.

Parallel dazu hatte Reich ein gut ausgestattetes Labor eingerichtet, mikrobiologische Forschungen durchgeführt und schließlich vesikuläre Gebilde im Grenzbereich zwischen Anorganischem und Organischem gefunden, die er nicht zu identifizieren vermochte und deshalb mit einem neuen Begriff als Bione bezeichnete.[10] Die Arbeit mit ihnen führte ihn zum Postulat einer „spezifisch biologischen“ Energie, die er Orgon nannte. Diese Energie sei, so Reich, in Orgonakkumulatoren konzentrierbar und biophysikalische Grundlage seiner Therapie.

Ein 1955 verfügtes gerichtliches Verbot der Verwendung dieser Orgon-Akkumulatoren sowie die Verfügung, diese Geräte selbst sowie alle seine Bücher zu vernichten, wurde von Reich nicht akzeptiert, da es sich um eine wissenschaftliche Frage handele, die nicht von einem Gericht zu klären sei. Nachdem ein Mitarbeiter Reichs gegen das gerichtliche Verbot verstieß, Orgon-Akkumulatoren über Grenzen der US-Bundesstaaten zu transportieren, wurde Reich 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Gerichts“ verurteilt. Reich trat die Strafe am 12. März 1957 an und starb während der Haft am 3. November 1957. Als Todesursache wurde Herzversagen angegeben; eine Autopsie seines Leichnams fand jedoch nicht statt.

Reichs Bücher wurden zu Werbeschriften für den „Orgon-Akkumulator“ erklärt und unter Aufsicht der Food and Drug Administration (FDA) verbrannt. Die FDA bestand auf der Verbrennung aller Arbeiten Reichs, wenn in ihnen das Wort Orgon vorkam, oder, sofern nicht, wenn ihnen gedankliche Vorarbeit für die Orgonomie unterstellt werden konnte, so dass fast alle publizierten Schriften Reichs betroffen waren.[11]

Reich verfügte in seinem Testament, dass sein Nachlass erst fünfzig Jahre nach seinem Tode der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werde; die Dokumente wurden demgemäß im November 2007 von der Bibliothek der Harvard University Medical School für wissenschaftliche Studien freigegeben.[12]

Werk[Bearbeiten]

Reich hinterließ ein interdisziplinäres Werk, das weit über die Grenzen der Psychologie oder Psychoanalyse hinausgeht: Auf der Makroebene ragen seine Arbeiten bis hinein in die politische Soziologie; auf der Mikroebene erstrecken sie sich über Biologie, Mikrobiologie bis hin zur Paraphysik. Man kann seine Beschäftigung als jeweils logische und unmittelbare Konsequenz der zuvor erbrachten Ergebnisse aus Forschungsarbeiten betrachten, die bei der Frage nach dem Verständnis und der Therapie psychischer Beeinträchtigungen ansetzen. Der heute mögliche Gesamtüberblick über sein Lebenswerk lässt deutlich erkennen, dass ein roter Faden seine Arbeiten durchzieht. Reich beginnt als Psychoanalytiker, beschreibt sehr ausführlich das Vorhandensein der verschiedenen Abwehrmuster des Menschen (Charakterpanzerungen, zunächst psychisch, dann somatisch) und die Möglichkeiten ihrer Auflösung. Seine konsequente Verfolgung der energetischen Basis (was Freud Libido-Ökonomie nannte, aber nicht weiterverfolgte) führte ihn zur Frage, was denn eigentlich das Lebendige sei, zur Entwicklung der Sexualökonomie und schließlich zur „Entdeckung des Orgons“.[13] Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Erforschung der Krebserkrankungen, seiner Meinung nach eine Erkrankung des gesamten Organismus, der eine gestörte Pulsation des Orgons im Körper zugrunde liege, die wiederum in der Unfähigkeit des Organismus wurzele, sich vollständig den vegetativen Zuckungen im Orgasmus hinzugeben. Diese Unfähigkeit, die orgastische Impotenz des Menschen bzw. ihre Behebung, ist ein Kernpunkt seiner Arbeit.

In der Praxis gebührt ihm das Verdienst, dass er als einer der ersten die praktische Beratung in Sexualfragen forderte und auch durchführte. Darüber hinaus hat er selbst unter erschwerten äußeren Bedingungen die „klinisch-therapeutische Arbeit mit Unterschicht-Klienten“ geleistet.[14] In diesem Zusammenhang muss auch sein sexualpädagogisches Wirken in der proletarischen Jugendbewegung erwähnt werden („Der sexuelle Kampf der Jugend“).[15]

Zahlreiche Autoren, auch wissenschaftliche Kritiker, bestätigten, dass Reichs Werk durch Stringenz und Logik gekennzeichnet ist (Fragestellung, Forschung, Ergebnisse, neue Implikationen). Die sexuelle Revolution der 1970er Jahre hat sich kaum – und wenn geschehen, dann oft in Verkennung seiner Auffassung von Sexualität – auf Reich berufen. Das Besondere seines Werks ist die Entdeckung der ganzheitlichen Sicht des Menschen,[16] die u. a. in den Annahmen gipfelte, dass „Erinnerungen immer von entsprechenden körperlichen Auswirkungen begleitet werden, (…) Emotionen sich in Form eines Muskelpanzers im Körper manifestieren“.[17]

Rezeption[Bearbeiten]

Philosopie und andere Wissenschaften[Bearbeiten]

Reichs Theorien über das „Orgon“ wurden und werden in der akademischen Naturwissenschaft nicht für diskussionswürdig erachtet. Sie werden gemeinhin als parawissenschaftlich betrachtet und provozierten heftige Reaktionen, auch von Wissenschaftlern, z. B. von Peter R. Hofstätter und Erwin Ackerknecht.[18] Seine Arbeiten polarisierten und polarisieren heute noch sehr stark. Die frühen Beiträge im Rahmen der Psychoanalyse, auch noch deren Weiterentwicklung zur Charakteranalyse, fanden noch breite Zustimmung, doch schon sein Postulat der orgastischen Potenz als Therapieziel traf auf Skepsis und, insbesondere bei Freud, auf Ablehnung. Die Fortentwicklung der Charakteranalyse zur Vegetotherapie, also die Begründung der Körperpsychotherapie, wurde von der Mehrzahl seiner Kollegen, innerhalb und außerhalb der Psychoanalyse, als Irrweg betrachtet.

Albert Einstein, der 1941 privat Reichs Messungen an einem Orgonakkumulator überprüfte, konnte Reichs Postulat einer noch unerforschten Energieart nicht bestätigen. Er gab Reich eine konventionelle Interpretation der beobachteten Phänomene und schrieb ihm: „Ich hoffe, dass dies Ihre Skepsis entwickeln wird, dass Sie sich nicht durch eine an sich verständliche Illusion trügen lassen.“[19]

Reichs Theorien gerieten nach seinem Tod 1957 schnell in Vergessenheit. Ein Jahrzehnt später wurde er von der Studentenbewegung wiederentdeckt. Um 1964 brachte Monika Seifert die Kunde vom Werk Reichs aus England mit. Man las Reich zunächst nur als Freudo-Marxisten und als Herold einer sexuellen Revolution. Die einschlägigen Raubdrucke – insbesondere von Funktion des Orgasmus, Massenpsychlogie des Faschismus und Charakteranalyse wurden von fliegenden Händlern in großer Zahl auf dem Campus vieler deutscher Universitäten zu günstigen Preisen verkauft und wurden zu Bestsellern.[20] Einige Jahre später entdeckte man Reich als Begründer der körperorientierten Psychotherapie und bald danach, mit dem Aufkommen der esoterischen New-Age-Bewegungen, auch als Entdecker einer von ihm in seinen späten Jahren postulierten „primordialen“ Lebensenergie Orgon. Unabhängig von dieser breiteren Rezeption hat sich seit 1967 in den USA das „American College of Orgonomy“ etabliert.[21] Körperorientierte Psychotherapieverfahren gründen auf Reichs Ideen, wurden aber von Nachfolgern wie Alexander Lowen, später Gerda Boyesen und heute von verschiedenen Vertretern der Körperpsychotherapie so stark nach neuen Erkenntnissen in der Psychologie und der Neurobiologie modifiziert, dass die ursprünglichen Vorstellungen von Reich oft nur noch wenig Bedeutung haben.

Reichs (potenzielle) Bedeutung für die Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts deutlich zu machen, wurde erstmals von Paul Edwards, dem Verfasser eines einst weitverbreiteten Lehrbuches zur Philosophie und Haupt-Herausgeber der achtbändigen Encyclopedia of Philosophy (1967 ff.) in einem ausführlichen Artikel über Reich in diesem grundlegenden Nachschlagewerk versucht. Edwards, der sich eines Urteils über Reichs Orgontheorie weitgehend enthält, hebt besonders Reichs Bedeutung als Religionskritiker hervor, der in seiner Charakterlehre gründlicher als Freud und andere die psychische (und somatische) Verankerung des religiösen Fühlens im Individuum erforscht habe. Außerdem betont Edwards die Bedeutung der Theorien Reichs für das Leib-Seele-Problem in der Philosophie des Geistes.[22]

Bernd A. Laska, der 1975–1982 die Zeitschrift „wilhelm-reich-blätter“ herausgab, versucht mit einem 1985 begonnenen „paraphilosophischen“ Projekt,[23] Reichs Rang als Aufklärer aus seinem Gegensatz zu Freud (als dem einflussreichsten Aufklärer im 20. Jahrhundert) abzuleiten, wobei er es für nebensächlich hält, welchen wissenschaftlichen Status nicht nur Reichs spätere Orgontheorie, sondern auch die psychologischen Theorien Freuds und Reichs aktuell haben. Reich ist dabei nach Laskas Auffassung eine von drei „Schlüsselfiguren“, deren Schicksale in der Geschichte der neuzeitlichen Aufklärung trotz unterschiedlichster Kontexte erstaunliche Ähnlichkeiten aufwiesen und auf prinzipiell gleiche inhaltliche Positionen zurückzuführen seien: Neben Reich, der von Freud ins Abseits „verdrängt“ wurde (s. Weblink unten), La Mettrie, dessen Ideen im 18. Jahrhundert von Voltaire, Rousseau u. a. ausgeschaltet worden seien wie die Stirners im 19. Jahrhundert von Marx und Nietzsche.

Zum 100. Geburtstag (1997) und zum 50. Todestag (2007) Reichs fanden weltweit Kongresse bzw. Symposien über seine Ideen statt, die meist von Anhängern, aber in einigen Fällen auch von neutralen Institutionen veranstaltet wurden.[24]

Musik[Bearbeiten]

1985 veröffentlichte Kate Bush ein Video zu ihrer Single Cloudbusting, in dem der kanadische Schauspieler Donald Sutherland Wilhelm Reich darstellt und Kate Bush seinen Sohn Peter. Das Video basiert auf der Geschichte, dass Reich 1953 in Maine von Farmern engagiert wurde um Regen zu erzeugen. Trotz anders lautender Wettervorhersage regnete es innerhalb von 24 Stunden, und Reich bekam eine mit den Farmern für den Erfolgsfall vereinbarte Summe.[25]

Film[Bearbeiten]

Regisseur Svoboda und Hauptdarsteller Brandauer bei der Premiere von The Strange Case of Wilhelm Reich (Wien 2012)

Der österreichische Filmemacher Antonin Svoboda produzierte 2009 die TV-Dokumentation Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? und stellte 2012 den Spielfilm Der Fall Wilhelm Reich über die letzten Lebensjahre Reichs im Exil in den Vereinigten Staaten vor, in dem Klaus Maria Brandauer in der Rolle Reichs zu sehen ist.[26]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der triebhafte Charakter (1925). In: Frühe Schriften I, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1977
  • Die Funktion des Orgasmus (1927). Revidierte Fassung: Genitalität in der Theorie und Therapie der Neurose/Frühe Schriften II, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1982
  • Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse (1929)
  • Der Einbruch der Sexualmoral (1932). Erweiterte und revidierte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972
  • Die Massenpsychologie des Faschismus (1933). Erweiterte und revidierte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1971
  • Charakteranalyse (1933). Erweiterte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1970
  • Was ist Klassenbewusstsein? (1934) – (Pseudonym „Ernst Parell“)
  • Die Sexualität im Kulturkampf (1936), rev. Neuauflage: Die sexuelle Revolution, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1966
  • Die Bione (1938)
  • The Function of Orgasm (1942). Deutsches Original: Die Funktion des Orgasmus (völlig verschieden von dem Buch gleichen Titels 1927), Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969
  • The Cancer Biopathy (1948). Deutsches Original: Der Krebs, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1974
  • Listen, Little Man! (1948). Deutsches Original: Rede an den kleinen Mann, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1984
  • Ether, God, and Devil (1949). Deutsches Original: Äther, Gott und Teufel, Nexus, Frankfurt am Main 1983
  • Cosmic Superimposition (1951)
  • The ORANUR Experiment – First Report (1951)
  • People in Trouble (1953). Deutsches Original: Menschen im Staat, Nexus, Frankfurt am Main 1982; verbesserte Auflage: Stroemfeld, Frankfurt am Main 1995
  • The Murder of Christ (1953). Übersetzt von Bernd A. Laska als Christusmord, Walter, Olten/Freiburg 1978
  • Contact with Space, The ORANUR Experiment – Second Report (1957)

Im Verlag und Vertrieb Zweitausendeins erschienen 1995–1997 Reichs „Späte Schriften“ in deutscher Übersetzung in sechs Bänden: 1) Die Bionexperimente; 2) Orop Wüste (Artikelsammlung), 3) Das ORANUR-Experiment – Erster Bericht; 4) Das ORANUR-Experiment – Zweiter Bericht; 5) Die kosmische Überlagerung; 6) Christusmord

Postum erschienen außerdem einige Bücher mit (auto-)biografischem Material:

  • Reich speaks of Freud, New York 1967. Deutsch auszugsweise (Raubdruck) als Wilhelm Reich über Sigmund Freud, o. O./o. J. (Schloß Dätzingen 1976)
  • Beverley A. Placzek (ed.): Record of a Friendship (Correspondence Wilhelm Reich/Alexander S. Neill), New York 1981. Deutsch als Zeugnisse einer Freundschaft, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986
  • Leidenschaft der Jugend. Eine Autobiographie 1897–1922 (frühe Arbeiten und autobiographische Manuskripte), Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994
  • Beyond Psychology (Letters and Journals 1934–1939), New York 1994. Deutsch als Jenseits der Psychologie, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996
  • An American Odyssey (Letters and Journals 1940–1947), Farrar, Straus & Giroux, New York 1999
  • Where’s the Truth? Letters and Journals 1948–1957, Farrar, Straus & Giroux, New York 2012

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Reich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reich starb dort im Hochsicherheitsgefängnis Lewisburg Federal Penitentiary
  2. Wilhelm Reich: Menschen im Staat. (1937/1953) Frankfurt/M.: Stroemfeld 1995, S. 42
  3. Vgl. Wilhelm Reich: Erfahrungen und Probleme der Sexualberatungsstellen für Arbeiter und Angestellte in Wien. In: Der sozialistische Arzt, 5(1929), S. 98–102
  4. Weil in den Zeitschriften der Psychoanalytiker nur kurz sein „Austritt“ gemeldet wurde, veröffentlichte Reich 1935 einen Bericht über den Ausschluss Wilhelm Reichs aus der IPV
  5. Hier ist zu beachten, dass die seit 1971 im Handel befindliche Version der Massenpsychologie des Faschismus (Verlage k&w, Fischer-TB) eine von Reich terminologisch stark veränderte (Umwandlung marxistischer Begriffe) und um einige später in den USA geschriebene Kapitel erweiterte ist.
  6. Neuveröffentlichung 1966ff unter dem Titel Die Sexuelle Revolution
  7. Vgl. auch den kritischen Bericht über die Moskauer Prozesse in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie.
  8. Für eine Zusammenfassung der Kritik an Fromm vom Standpunkt Reichs mit ausführlichen Zitaten aus mehreren Rezensionen siehe Bernd A. Laska: Über Erich Fromm
  9. Bernd Bocian: Fritz Perls in Berlin. Wuppertal: Peter Hammer 2007, S. 200ff, 248ff
  10. Beschreibung im Vorwort zu seinem Buch Die Bione (1938), nachgedruckt als Die Bionexperimente. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995, S. 15-25
  11. Ausführlich dazu: Jerome Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich. Frankfurt/M.: Zweitausendeins 1995, 486 S.
  12. Archives of the Orgone Institute
  13. Karl-Heinz Ignatz Kerscher, Taini Kerscher: Wilhelm Reich – die theoretischen Grundlagen der Sexualpädagogik. Grin, München u. a. 2008, S. 36 ff.
  14. Helmut Johach: Von Freud zur humanistischen Psychologie : therapeutisch-biographische Profile : Sigmund Freud, Lou Andreas-Salome, Sándor Ferenczi, Georg Groddeck, Wilhelm Reich, Erich Fromm, Fritz und Laura Perls, Ruth C. Cohn. Transcript, Bielefeld 2009, S. 189.
  15. Friedrich Koch: Sexualität und Systemveränderung? Zur Bedeutung Wilhelm Reichs für die Sexualpädagogik. In: Hans-Jochen Gamm/Friedrich Koch (Hrsg.): Bilanz der Sexualpädagogik. Frankfurt am Main/New York 1977, Seite 39 ff. – Friedrich Koch: Sexualpädagogik und politische Erziehung. München 1975.
  16. Walter Leitmeier: Kompetenzen fördern: Gestalttherapeutisches Lehrertraining für Religionslehrer. Lit Verlag, Berlin/Münster 2010, S. 157.
  17. Gustl Marlock: Handbuch der Körperpsychotherapie. Schattauer, Stuttgart/New York 2006, S. 898.
  18. Vgl. Bernd A. Laska: Zur aktuellen Rezeption Wilhelm Reichs. In: wilhelm-reich-blätter, Heft 2/81, S. 96–100
  19. Dokumentiert in der Broschüre The Einstein Affair, hrsg. v. Orgone Institute Press, Rangeley ME/USA 1953
  20. Vgl. Albrecht Götz von Olenhusen/Christa Gnirss: Handbuch der Raubdrucke 2. Verlag Dokumentation, Pullach bei München 1973, S. 335–353
  21. The American College of Orgonomy
  22. Paul Edwards: Wilhelm Reich. In: Encyclopedia of Philosophy. New York: MacMillan 1968; idem in 2nd, enlarged edition 2006.
  23. LSR-Projekt, dort auch Seiten der einstigen wilhelm-reich-blätter
  24. Conference on New Research in Orgonomy 2007 (Abstract of Papers; PDF; 441 kB)
    1. Wilhelm-Reich-Symposion Mainz des „Arbeitskreises Wilhelm Reich“ (Univ. Mainz)
    Kongress „Sexualität und Lebensenergie“ der deutschen Wilhelm-Reich-Gesellschaft
    Jüdisches Museum Wien, Ausstellung Wilhelm Reich 2007
    Sigmund Freud Privat Universität Wien, Symposium 50 Jahre nach Wilhelm Reich, 2007
  25. | Biografie beim Wilhelm Reich Infant Trust (englisch)
  26. Viennale 2012: The Strange Case of Wilhelm Reich – Antonin Svoboda (A 2012)



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