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„Reiki“ in Kanji-Schreibweise

Reiki [reːki] (jap. レイキ/霊気, dt. etwa „spirituelles/geistiges Qi“) ist eine esoterische Praxis, die Anfang des 20. Jahrhunderts einer von ihm selbst verbreiteten Legende zufolge von Mikao Usui in Japan entwickelt worden sein soll.

Definition[Bearbeiten]

Reiki ist ein Kunstwort, das von Usui aus den japanischen Worten rei (Geist, Seele) und ki (Lebensenergie) gebildet wurde und in der Regel in westlichen Publikationen als „universelle oder universale Lebensenergie“ übersetzt wird. Es bezeichnet dabei sowohl die Behandlungsform und Technik, als auch die hypothetische Energie, mit der gearbeitet werde. Daneben gibt es andere Formen der sogenannten „Energiearbeit“ und Techniken des Handauflegens, die aber mit Reiki nicht identisch sind.

Durch die Anwendung wird die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens, die Erhaltung von Gesundheit und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte im Krankheitsfall angestrebt. Die therapeutische Energiearbeit erfolgt dabei mit Hilfe der Hände des Reiki-Gebenden. Für Reiki wird von den Praktizierenden in der Regel eine „Einweihung“ durch einen Lehrer gefordert.

Die Wirksamkeit ist im Hinblick auf die Heilung von Krankheiten trotz zahlreicher Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen wissenschaftlich nicht plausibel und bisher nicht belegt worden.[1] In klinischen Studien, mit denen die Wirksamkeit belegt werden sollte, zeigte sich entweder kein positiver Effekt oder es wurden entscheidende methodische Schwächen gefunden.[2]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

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Mikao Usui (1865–1926)

Auf welche religiösen oder philosophischen Einflüsse Usuis System direkt zurückgeführt werden kann, ist ungeklärt. Es existieren nur wenige unabhängige Dokumente über die ursprünglichen Fassungen der Lehre. Es gibt jedoch oberflächliche Ähnlichkeiten zum chinesischen Daoismus und zu buddhistischen Philosophien bei Form und Namen der Reikisymbole. Die Reikilehre beinhaltet jedoch keine zentralen buddhistischen Lehren wie beispielsweise der Lehre der Drei Daseinsmerkmale.

1922 will sich Usui zum Fasten auf den Berg Kurama nördlich von Kyōto begeben haben. Während der 21 Tage dort habe er das Reiki nach eigener Darstellung entwickelt. Eine Erzählung besagt, dass sein Fuß anfing zu bluten, als er diesen an einem Stein stieß. Als Usui seine Hände auf die Wunde legte, sei die Blutung gestillt worden. Am selben Tag habe Usui erfolgreich die Zahnschmerzen einer Frau behandelt. So begann Usui, das Phänomen Reiki in der Praxis zu beobachten und dann zu unterrichten.

Eine andere Version beschreibt, dass Usui ein christlicher Mönch gewesen sei, der die Wunderheilungen Jesu erforscht habe. Nach einem Aufenthalt an der Universität von Chicago habe er dann in Japan beim Studium buddhistischer Schriften eine Sanskritformel entdeckt. Diese habe er in einer Vision als Heilssymbol erkannt und dann im Sinne der universalen Lebensenergie angewandt.[3]

Seitdem wird Reiki vom Lehrer zum Schüler durch Einweihung weitergegeben. Mikao Usui weihte − so die Legende − u.a. Chūjirō Hayashi als Reiki-Meister, oder Lehrbefähigter, ein. Hayashi soll u.a. die Hawaiianerin Hawayo Takata als Reiki-Meisterin eingeweiht haben.

Hawayo Takata war die erste Reiki-Meisterin außerhalb von Japan. Sie hat insgesamt 22 weitere Meister ausgebildet, die meisten nicht aus Japan. Fast alle Praktizierenden außerhalb Japans stammen deshalb aus der Einweihungslinie Usui-Hayashi-Takata. 1981 soll Reiki von der in den Vereinigten Staaten lebenden Mary McFadyen, eine der, der Legende nach, von Hawayo Takata ausgebildeten Meister, über Deutschland nach Europa gebracht worden sein.

Usuis ursprüngliche Lehre nannte sich Usui Reiki Ryōhō (臼井靈氣療法) und wird heute in Japan in Abgrenzung zur westlichen Variante auch „(japanisches) traditionelles Reiki“ ((日本)伝統靈氣/(日本)伝統式レイキ, (Nihon) dentō reiki) genannt.[4] Die durch Takata vereinfachte im Westen verbreitete Variante wird dann als „Reiki westlicher Art“ (西洋式レイキ, seiyō-shiki reiki) bezeichnet. Der wesentliche Unterschied ist dass im traditionellen Reiki das Erreichen körperlicher und geistiger Gesundheit lediglich ein Zwischenziel bildet und das Ziel die Erleuchtung (Satori) darstellt.[5]

Technik[Bearbeiten]

Reiki wird von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen ausgeübt. Praktizierende glauben im Gegensatz zu anderen Formen der Energiearbeit, nicht mit ihrer eigenen Energie zu arbeiten, sondern mit einer universellen oder universalen Lebensenergie. Nach der Einweihung durch einen Lehrer sehen sich Praktizierende als Kanal für diese Energie. Da sie nicht mit ihrer eigenen Energie arbeiten, können sie auch sich selbst behandeln.

Reiki soll durch Handauflegen oder durch einige Zentimeter über dem Körper gehaltene Hände übertragen werden. Es gibt Übereinkünfte über die einzelnen Behandlungspositionen für eine Vollbehandlung und für eine Kurzbehandlung. Der Gebende kann aber die Behandlung seiner Erfahrung und Intuition entsprechend verändern.

Anwender gehen davon aus, dass Reiki als Lebensenergie niemals schaden kann. Es könne neben jeder wissenschaftlich medizinischen oder alternativ medizinischen Behandlung angewandt werden. Eine Diagnose sei deshalb für die Behandlung nicht erforderlich.

Wirkung[Bearbeiten]

Ziel der Anwendung ist die körperliche, geistige, seelische und soziale Gesundheit. Anwender vertreten einen ganzheitlichen Ansatz und gehen davon aus, dass Veränderungen in einem Bereich Veränderungen in anderen Bereichen bewirken können. Der Behandelte soll eine tiefe Entspannung empfinden, wie sie auch bei Massagen, autogenem Training und anderen Entspannungsverfahren auftritt. In der Literatur wird angegeben, dass Reiki bei der Behandlung dorthin fließt, wo es benötigt wird. Es wirke auch dann, wenn der Behandelte nicht an die Wirkung glaube, sowie bei Tieren und Pflanzen.

Gleichermaßen wird behauptet, dass Reiki die Selbstheilungskräfte stärkt und hilft, Krankheiten zu überwinden. Es soll unter anderem die Nebenwirkungen von Medikamenten verringern, den Heilungsprozess unterstützen und Schmerzen lindern. Weiter wird Reiki mit dem Versprechen beworben, persönliche Probleme, wie Beziehungskrisen, oder finanzielle Probleme behandeln zu können.

Diese Selbstdarstellung des Reiki wird überwiegend durch Anekdoten belegt, wissenschaftliche Untersuchungen konnten jedoch keine Wirkung bestätigen. Assefi et al. zeigten 2010 in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie mit 100 an Fibromyalgie erkrankten Teilnehmern, dass es keinen Unterschied macht, ob die Patienten von einem Reiki-Therapeuten behandelt wurden oder von einem Schauspieler, der sich als Therapeut ausgab.[6].

Einweihung[Bearbeiten]

Beim Reiki wird davon ausgegangen, dass der Mensch potentiell befähigt ist, eine Art „heilende Energie“ zu übertragen. Um dieses Potential aber nutzen zu können, müsse man von einem Lehrer eingeweiht werden.

Unter Einweihung versteht man ein Ritual, mit dem ein Lehrer den Schüler befähigt, Reiki zu geben oder die Reiki-Symbole zu benutzen. Ohne diese Einweihung sei Reiki-Kanal nicht geöffnet. Auch entfalten die Symbole ohne Einweihung nicht ihre Wirkung.

Traditionell gibt es bis zur Lehrerausbildung drei bis vier Grade, die nachfolgend beschrieben werden. Mit Ausnahme der Meisterausbildung werden die verschiedenen Grade gewöhnlich in kostenpflichtigen Wochenendseminaren unterrichtet.

Erster Grad
„Öffnung“ eines sogenannten Reiki-Kanals, repräsentiert den „körperlichen Bereich“
Zweiter Grad
Einführung dreier Reiki-Symbole, Behandlung des „mentalen Bereichs“
Dritter Grad (Meistergrad)
Einweihung auf das „Meistersymbol“, Zugang zum „astralen Bereich“
Lehrergrad, auch vierter Grad genannt
beinhaltet das Wissen um die Einweihungsrituale und befähigt dazu, andere Menschen zu initiieren.

Der Lehrergrad unterscheidet sich von den anderen Graden grundsätzlich darin, dass hierbei nicht immer eine weitere Einweihung gegeben wird. Manche Lehrer geben allerdings auch bei der Einweihung zum Lehrer ein bis drei Einweihungen. Da die Ausbildung zum Meister beziehungsweise Lehrer unterschiedlich gehandhabt wird, sind auch die Angaben über die Zahl der Einweihungen in der Fachliteratur nicht homogen.[7]

Weitere Schulen[Bearbeiten]

Neben dem beschriebenen traditionellen System nach Mikao Usui haben sich mittlerweile auch weitere Schulen entwickelt, die die Ausbildung zum Lehrer in weitere Grade und Einweihungen aufgeteilt haben oder mit anderen Systemen vermischt haben.

Bei Abänderungen des Systems kann man möglicherweise nicht mehr von Reiki sprechen. Mikao Usui selbst hat sein System als in sich geschlossen und vollständig bezeichnet. Usui und Takata haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Reiki in seinem Wesensgehalt nicht verändert werden darf.

Kosten[Bearbeiten]

Für Behandlungen und Ausbildungen gibt es keine feste Gebührenordnung. Die Vergütung wird deshalb direkt mit dem Praktizierenden ausgehandelt. Die Kosten können, je nach Anbieter und Art der Ausbildung, sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von kostenlos bis zu mehreren Tausend Euro.

Die Kosten für eine Behandlung liegen etwa bei denen einer herkömmlichen Massage, gehen gelegentlich aber auch weit darüber hinaus. Eher selten wird die Behandlung kostenlos oder gegen eine Spende, die im Ermessen des Behandelten liegt, angeboten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Behandlungen nicht, vor allem aufgrund des fehlenden Wirknachweises und der damit verbundenen fehlenden Anerkennung als Heilverfahren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  M. S. Lee, M. H. Pittler, E. Ernst: Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. In: The International Journal of Clinical Practice. Vol. 62, Nr. 6, Juni 2008, S. 947–954, doi:10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x, PMID 18410352.
  2.  Sondra vanderVaart, Violette M. Gijsen, Saskia N. de Wildt, Gideon Koren: A systematic review of the therapeutic effects of Reiki. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 15, Nr. 11, November 2009, S. 1157–1169, PMID 19922247.
  3.  Peter Gerlitz: Reiki. In: Hans Gasper, Joachim Müller, Friederike Valentin (Hrsg.): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. 6 Auflage. Herder Spektrum, Freiburg 2000, ISBN 3451055287, Sp. 883 ff..
  4. 日本式臼井靈氣療法・伝統靈氣について. In: レイキヒーリング 風と緑. Abgerufen am 25. August 2012 (japanisch).
  5. レイキを知る. NPO法人 日本レイキ協会 („Japanischer Reiki-Verband“), abgerufen am 25. August 2012 (japanisch).
  6.  Nassim Assefi, Andy Bogart, Jack Goldberg, Dedra Buchwald: Reiki for the Treatment of Fibromyalgia: A Randomized Controlled Trial. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 16, Nr. 11, November 2010, S. 1191–1200, doi:10.1089/acm.2008.0068, PMID 18991519.
  7. Andreas Dalberg: Der Weg zum wahren Reiki-Meister. 2007, S. 274.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mary McFadyen: Die Heilkraft des Reiki – Mit Händen heilen – Schnellbehandlung. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg, 5. Auflage 2003, ISBN 3-499-61400-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reiki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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